Mauern und Zäune niederreißen

In einer Botschaft an eine Friedens-Konferenz spricht der Papst erneut vom „Weltkrieg in Etappen“. Von Guido Horst

Rom (DT) Papst Franziskus hat wieder von einem Dritten Weltkrieg gesprochen. Er tat das in einer Botschaft an die Teilnehmer einer dreitägigen Konferenz zum Thema „Gewaltlosigkeit und gerechter Krieg“, die Pax Christi International in Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat „Iustitia et Pax“ und dem „Catholic Peacebuilding Network“ bis gestern in Rom veranstaltet hat. „Um Wege zur Lösung dieses einzigartigen und schrecklichen ,Weltkriegs in Etappen‘ zu finden, den in unseren Tagen ein großer Teil der Menschheit in direkter und indirekter Weise durchlebt, muss man die Gründe wiederentdecken, die im vergangenen Jahrhundert die Söhne einer noch christlichen Gesellschaft dazu bewogen, die Bewegung Pax Christi und den Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Friede ins Leben zu rufen“, heißt es in der Botschaft von Papst Franziskus. Der Austausch zwischen Menschen, die Versöhnung zwischen Völkern und der Einsatz für die Gerechtigkeit seien die drei wichtigsten Schritte, um den gegenwärtigen Weltkrieg zu überwinden.

Papst Franziskus rief dazu auf, Mauern und Zäune, die heute Realitäten seien, niederzureißen. Der Papst sprach von einer „Mauer der Gleichgültigkeit“, die Menschen voneinander trenne. Die Gleichgültigkeit sei heute das größte Hindernis für Gerechtigkeit und Frieden. Zurzeit sei das Wort von den „Mauern und Zäunen“ nicht mehr etwas bloß Bildliches, sondern „traurige Realität“, meint Franziskus weiter, der am Samstag nach Lesbos fliegt, um gemeinsam mit dem orthodoxen Patriarchen Bartholomaios I. die in Griechenland festsitzenden Flüchtlinge zu besuchen.

Auch die Abschaffung der Todesstrafe spricht Franziskus in der Ansprache an. „Groß ist unsere Welt, aber auch komplex und gewalttätig“, schreibt der Papst. Wer Frieden schaffen wolle, müsse für die totale Abschaffung der Waffen, die Beseitigung von Ängsten und die Förderung des Dialogs einstehen, so Franziskus weiter. Im Mittelpunkt müsse immer das Allgemeinwohl stehen. Einen wichtigen Beitrag leiste die Diplomatie, die deshalb besonderer Unterstützung bedürfe, fügte Franziskus an. Auch die Amnestie und die Überwindung von Staatsschulden für ärmere Länder zählte Franziskus unter die Prioritäten, um Frieden zu schaffen

Ziel der nicht öffentlichen Konferenz ist es unter anderem, den Begriff vom „gerechten Krieg“ auf den Prüfstand zu stellen. Das Konzept vom „gerechten Krieg“ sei seit Jahrhunderten Teil der katholischen Lehre, werde aber von Moraltheologen zunehmend kritisch gesehen, teilten die Veranstalter im Vorfeld in einer Aussendung mit. „Die Kirche entfernt sich von der Vorstellung, es sei akzeptabel, einen Krieg ,gerecht‘ zu nennen.“

Stattdessen will die Konferenz einen alternativen ethischen Rahmen in den Blick nehmen. Die Teilnehmer sollen überdies eine klarere, neu von der Heiligen Schrift ausgehende katholische Lehre zur Gewaltlosigkeit entwickeln und einen Aktionsplan entwerfen, mit dem die Lehre vom „gerechten Frieden“ in Seminaren, katholischen Einrichtungen und Diözesen andocken kann. Eine Teilnehmerliste für die Konferenz wurde bisher noch nicht veröffentlicht.

Themen & Autoren

Kirche