Maria verbindet Mitteleuropa

Von der Steiermark bis nach Siebenbürgen führt ein marianischer Pilgerweg. Von Stephan Baier

Csíksomlyó (DT) Wo der katholische Glaube blüht, wachsen Stätten der Marienverehrung. Würde man alle Marienwallfahrtsorte Europas mit Linien auf einer Karte verbinden, so entstünde ein dichtes Netz, das sich über den Kontinent legt. Eine ganz reale Verbindung entstand durch den Marienweg, der im österreichischen Mariazell beginnt, und dessen östlichster Punkt mitten in Rumänien, im ungarisch geprägten Siebenbürgen liegt. Csíksomló nennen die Ungarn, die hier im Szeklerland die stärkste Volksgruppe bilden, den Wallfahrtsort, der auf Deutsch Schomlenberg und auf Rumänisch Sumuleu Ciuc heißt.

500 000 Katholiken, in großer Mehrheit Ungarn, wallfahren jedes Jahr hierher, wo eine gekrönte, als wundertätig verehrte Marienstatue aus dem Jahr 1510 seit Generationen das Ziel frommer Pilgerschaft ist. Ein erster gotischer Kirchbau der Franziskaner im 14. Jahrhundert ist längst einem barock anmutenden Neubau aus dem frühen 19. Jahrhundert gewichen. Seelsorglich halten weiter die Franziskaner und die Klarissinnen die Stellung. Viele Votivtafeln schmücken den Altarraum, wo eine schmale Holztreppe zum Gebetstreppchen vor der Gnadenstatue führt. An Pfingsten, wenn Zehntausende sich zur traditionellen Wallfahrt hierher begeben, ist die Kirche viel zu klein. Die Festmesse wird dann auf der nahen Wiese gefeiert, oft in Kälte und Regen, denn die hoch am Fuße des Harghita-Gebirges gelegene Ortschaft liegt mitten in der kältesten Region Rumäniens.

Die nötigen Rettungs- und Hilfsdienste übernehmen dann die Malteser. Die Caritas betreibt mit ihrem „Hotel Salvator“, das mit einem Zentrum für behinderte Kinder eng verbunden ist, auch eine kleine, gemütliche Pension samt Restaurantbetrieb.

Drei Marienwege verbinden das steirische Mariazell mit Ungarn, wo der heilige König Stephan sein Reich 1038 der Gottesmutter anvertraute. Der wichtigste Weg führt auf Wanderpfaden und Nebenstraßen durch Ungarn bis nach Siebenbürgen, das seit dem Ende des Ersten Weltkriegs zu Rumänien gehört, aber noch immer Geist und Sprache der ungarischen Volksgruppe atmet. In 60 Tagen sollen die 1 400 Kilometer zurückzulegen sein. In Csíksomlyó hat man noch größere Pläne, wie der Logistik-Direktor der Caritas in der Diözese Alba Julia, Attila-Csongor Péterfi, im Gespräch mit dieser Zeitung erklärt: „Wenn man eine vertikale Linie von Mariazell im Westen bis Csíksomlyó im Osten zieht, sowie eine horizontale vom polnischen Tschenstochau im Norden bis Medjugorje im Süden, dann entsteht ein Kreuz.“ Dieses Kreuz verbindet sieben Staaten Mitteleuropas.

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