Lobby für Kinder dringlich

Interreligiöse Unterstützung für ein kinderfreundliches Österreich

Wien (DT/KAP) Mit Kardinal Christoph Schönborn unterzeichneten der neue evangelische Bischof Österreichs, Michael Bünker, der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos und der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, am Freitag eine Bürgerinitiative der „Aktion Leben“ und setzten damit ein Zeichen für ein „kinder- und familienfreundlicheres Österreich“. Der Forderungskatalog der Initiative „Mit Kindern in die Zukunft!“ sieht die Einrichtung eines öffentlich finanzierten Hilfsfonds für Schwangere in Not vor sowie eine intensivere und ständige Bewerbung der Schwangerenberatung. Weiter wird eine „vielfältige Unterstützung für Eltern von Kindern mit Behinderung“ gefordert. In diesem Zusammenhang soll laut „Aktion Leben“ auch der Lebensschutz in der Verfassung verankert werden. Die Bürgerinitiative läuft bis zum 30. Juni. Im Herbst sollen die Unterschriften Nationalratspräsidentin Barbara Prammer übergeben werden.

Wie Schönborn unterstrich, sei es „in diesem Land dringend geboten, eine ,Lobby für Kinder‘ zu bieten“. Daher unterstütze die katholische Kirche nachdrücklich diese Initiative. Kardinal Schönborn erinnerte an die vor mehr als 30 Jahren vom damaligen Kanzler Bruno Kreisky (SPÖ) versprochenen „flankierenden Maßnahmen“ zur Fristenregelung. Die jetzigen Forderungen seien auch als Erinnerung an diese politischen Zusagen zu verstehen. Auszubauen seien insbesondere die Beratungsangebote und die Information über bestehende Angebote, so Schönborn. Ein besonderes Anliegen stelle in diesem Zusammenhang die Errichtung eines öffentlichen Hilfsfonds zur Unterstützung Schwangerer in Not nach dem Beispiel des 1973 von Kardinal Franz König eingerichteten Hilfsfonds der Erzdiözese Wien dar.

Der evangelische Bischof Bünker sagte, die Politik müsse Rahmenbedingungen schaffen, die es ermöglichen, auch Kindern mit Behinderung eine Zukunft zu bieten und ihre Familien stärker zu unterstützen. Die evangelische Kirche unterstütze die Bürgerinitiative, weil sie „wie das Evangelium dazu auffordert, den Blick aus der Perspektive der Kinder einzuüben“, so Bünker. Metropolit Staikos erklärte, für eine christliche Kirche sei es „eine Pflicht und eine Selbstverständlichkeit“, sich auch politisch für den Lebensschutz stark zu machen und Schwangeren in Not zu helfen.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Schakfeh, sagte, dass die Familie für den Islam eine „wichtige religiöse Institution“ darstelle und daher jede Initiative zu begrüßen sei, die sich um den Schutz des Lebens und der Familie bemühe. Aus Sicht des Islam sei eine Abtreibung mit medizinischer Indikation möglich, das heißt wenn die Gesundheit der Mutter unmittelbar durch die Schwangerschaft gefährdet ist. Man müsse jedoch auch die Entscheidung jener Frauen respektieren, die sich aus anderen Gründen zu einer Abtreibung entschließen. „Freiheit ist ein Prinzip des Islam, und wir müssen mit der Freiheit der Frau in dieser Frage leben“, so Schakfeh. Zwang dürfe es in dieser Frage unter keinen Umständen geben. Die Entscheidung und die Verantwortung vor Gott habe jede Frau selbst zu tragen.

Bei der Unterzeichnung der Bürgerinitiative wurde eine Grußbotschaft von Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg verlesen. Darin wird erklärt, dass die jüdische Gemeinde die Forderung nach einer stärkeren Bewerbung der Beratungsangebote unterstütze, von einer Unterzeichnung der Bürgerinitiative und aktiver politischer Einflussnahme jedoch Abstand nehme. Beratung sei begrüßenswert, schwangere Frauen dürften aber in keiner Weise unter Druck gesetzt werden, heißt es in der Botschaft.

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