Lob für Erklärung von Vatikan und Islam-Theologen

Erzbischof Ludwig Schick: Großer Fortschritt für Dialog

Bonn (DT/KNA) Die gemeinsame Erklärung von Vatikan und führenden muslimischen Vertretern des Iran ist in Deutschland mit viel Lob bedacht worden. Vertreter der katholischen Kirche warnten aber zugleich vor Euphorie. Es handele sich um ein Papier, das mit einer von vielen Strömungen des Islam verhandelt worden sei.

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Bambergs Erzbischof Ludwig Schick, bezeichnete die Erklärung als „einen großen Fortschritt für den interreligiösen Dialog“. Nun müsse die Vorstellung eines nicht gewalttätigen Glaubens in die Köpfe und Herzen aller Religionsführer. Schick warnte jedoch vor allzu großen Erwartungen, da der Dialog nur mit einer Gruppe von Muslimen stattgefunden habe. Von einem wichtigen Schritt im christlich-muslimischen Dialog sprach auch der Leiter der Fachstelle für christlich-islamischen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz (CIBEDO), Peter Hünseler. Im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) sagte er in Frankfurt, es handele sich um das Zwischenergebnis eines bereits längeren Dialogs. Schon der vormalige Kardinal Joseph Ratzinger habe dieses Gespräch mit iranischen Schiiten gepflegt.

Als zentrale Punkte wertet der Islamwissenschaftler die Absage an Gewalt und die Bedeutung, die auch die islamischen Theologen der Vernunft im Verhältnis zum Glauben zusprächen. Dass diese Punkte in einer von beiden Seiten unterzeichneten Erklärung festgeschrieben worden seien, sei ein wichtiges Ergebnis.

Vermutlich ein Alleingang Chatamis

Nach Einschätzung Hünselers lässt sich nur schwer einschätzen, welches Gewicht die Erklärung innerhalb der islamischen Theologie im Iran hat. Dort gebe es sehr gegensätzliche Positionen zum Gebrauch von Gewalt oder zur Vernunft. Nach Meinung des Theologen gehören die Unterzeichner zu einer Schule um den früheren Staatspräsidenten Mohammed Chatami, die sich deutlich von Anhängern des gegenwärtigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad unterscheide. Hünseler sprach von einem „Alleingang Chatamis“, der vermutlich vom geistlichen Oberhaupt und obersten Führer des Landes, Ajatollah Sejed Ali Chamenei, gedeckt sei.

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