Levada diskutiert mit Oberinnen

Beratungen über die Konsequenzen der römischen Untersuchung der amerikanischen Frauenorden

Vatikanstadt (DT/KNA) Die Leiterinnen der US-amerikanischen Frauenordenskonferenz (LCWR) haben im Vatikan die Ergebnisse einer römischen Untersuchung der US-Frauenorden diskutiert. Die Vorsitzende Pat Farrell und Exekutivdirektorin Janet Mock hätten am Dienstag mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, „Streitpunkte und Bedenken“ erörtert, teilte der Vatikan mit. Farrell äußerte sich nach Angaben der US-Presseagentur CNS „dankbar für die Gelegenheit zu einem offenen Dialog“. Nun wollten die Frauenorden über den nächsten Schritt beraten. Anlass des Gesprächs war eine Ende 2008 vom Vatikan angeordnete Überprüfung des Dachverbandes der US-Frauenorden. Die Ermittlungen unter Leitung von Erzbischof James Peter Sartain ergaben „ernsthafte theologische Mängel“ in der Haltung zu Abtreibung, Sterbehilfe, Frauenordination und Homosexualität. Es seien erhebliche Reformen nötig, um die Übereinstimmung der Frauenorden mit dem katholischen Lehramt zu gewährleisten, erklärte die Glaubenskongregation im April. Die Leitung der LCWR ließ am 1. Juni verlauten, die Reformforderungen des Vatikan seien ein Ergebnis unbegründeter Anschuldigungen und eines mangelhaften und intransparenten Untersuchungsverfahrens. Die Sanktionen stünden in keinem Verhältnis zu den geäußerten Sorgen und gefährdeten die Ausübung der Verbandsaufgaben. Der Vatikan betonte nun in seiner Mitteilung vom Dienstag, der Dachverband der Frauenorden unterstehe kirchenrechtlich dem Heiligen Stuhl. Dies solle die Zusammenarbeit der Orden untereinander sowie mit dem Vatikan und den örtlichen Bischofskonferenzen fördern. Ziel der Prüfung sei gewesen, die LCWR in dieser „bedeutenden Mission“ zu unterstützen. Farrell kündigte laut CNS an, die Unterredung mit Kardinal Levada beim nächsten LCWR-Treffen im August zu erörtern. Bereits Anfang Juni hatte die Franziskanerin in einem Interview den Umgang mit Meinungsunterschieden in der Kirche als ein Hauptproblem bezeichnet. Bisweilen fehlten die Voraussetzungen für einen respektvollen und offenen Dialog. Es sei „kein Geheimnis, dass es ein gutes Maß an Polarisierung in der Kirche in den USA und weltweit“ gebe. Die Reformforderungen des Vatikan gründeten in unterschiedlichen Sichtweisen der Kirche. Unmittelbar vor dem Treffen im Vatikan hatten sich der Ordensoberen-Verband der Männerorden sowie mehrere franziskanische Ordensleiter mit den Frauenorden solidarisiert. Die „Leadership Conference of Women Religious“ mit Sitz in Silver Spring im amerikanischen Bundesstaat Maryland vereinigt gut 1 500 Leiterinnen von Ordensgemeinschaften. Der Verband repräsentiert etwa 80 Prozent der 57 000 Ordensfrauen in den USA.

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