Leuchtende Liebe in der Nachfolge Christi

Zwei Publikationen erhellen das Charisma der seligen Mutter Teresa von Kalkutta

Dass die selige Mutter Teresa von Kalkutta (1910–1997) heute eines der besten Aushängeschilder der Kirche darstellt, wird man kaum als Übertreibung qualifizieren können. Ihr Leben als Engel der Armen und Ärmsten entfaltet eine große Leuchtkraft selbst auf jene hin, die Christus und der Kirche sonst gleichgültig, distanziert oder feindlich gegenüberstehen. Im Blick auf die kleine albanische Ordensfrau wird erahnbar, was radikale Christusnachfolge bedeutet. Und durch das überzeugende Leben seiner Dienerin hindurch ist es der lebendige Herr selbst, der seine unsterbliche Faszination strahlend in eine oft dunkle Welt ergießt. Gestalten wie der heilige Maximilian Kolbe und die selige Mutter Teresa dürfen jedoch nicht nur als Feigenblätter herhalten, sondern rufen laut und eindringlich, dem Ideal Christi immer besser zu entsprechen.

In der Topos plus Taschenbuch-Reihe sind zwei Bändchen über die Ordensfrau erschienen, von denen das erste das Leben der Seligen zuverlässig erzählt. In Skopje im heutigen Mazedonien wurde sie als Agnes Gonxha Bojaxhiu geboren, trat 1928 bei den Loreto-Schwestern in Dublin ein und war als Lehrerin und Schuldirektorin tätig. Dann, Mitte der vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts, traf sie noch einmal der Ruf Gottes. Mutter Teresa selbst schreibt darüber: „Es war eine Einladung, meine Berufung ... zu vervollkommnen... Es war eine klare, eindeutige Botschaft: Ich musste das Kloster verlassen und mit den Armen leben. Aber nicht mit irgendwelchen Armen. Er rief mich, den Verzweifelten zu dienen, den Ärmsten der Armen in Kalkutta: denen, die nichts und niemand haben; denen, die von allen gemieden werden, weil sie ansteckende Krankheiten haben und schmutzig sind, voller Mikroben und Parasiten; denen, die nicht umhergehen können, um Almosen zu erbetteln, weil sie nackt sind und nicht einmal einen Lumpen haben, den sie sich überziehen könnten... ; denen, die nicht mehr essen können, weil sie durch den Hunger so geschwächt sind, dass sie nicht mehr die Kraft haben, die Speisen zu kauen; denen, die auf der Straße zusammenbrechen, die am Ende sind... , wissend, dass sie bald sterben werden; denen, die nicht mehr weinen, weil sie keine Tränen mehr haben“ (S. 17/18). Dieser Gottesruf, der zu ihrem Lebensprogramm wurde, prägte Mutter Teresas ganzes weiteres Wirken. Mit den Schwestern ihrer 1950 gegründeten Kongregation der „Missionaries of Charity“ (2007: 4 892 Schwestern in 720 Niederlassungen in 134 Staaten) hat sie wahrhaft Heroisches geleistet. Nach ihrem Tod arbeitet die Schwesterngemeinschaft weiter voller Eifer und Liebe nach den Intentionen ihrer Gründerin.

Ein Qualitätsmerkmal des von Roswitha Kornprobst verantworteten Büchleins über die Vita der Seligen ist es, dass auch die „Innenseite“ des aktiven, so sehr nach außen gewandten Lebens von Mutter Teresa eine Beschreibung erfährt.

Im Glauben schwer geprüft, war für die Mutter der Armen eine durch und durch traditionell-katholische, mit großer Liebe und Treue gepflegte Frömmigkeit mit ausgeprägtem eucharistischen und marianischen Schwerpunkt charakteristisch: „Neben der Leidensfrömmigkeit (d.h. der Betrachtung der Passion Christi) spielte in Mutter Teresas geistlichem Leben die Herz-Jesu- sowie die Herz-Marien-Verehrung eine besondere Rolle. Das geöffnete Herz Jesu zeigt die Liebe des Heilandes zu den Menschen, der sein Leben für uns hingab. Diese große Liebe soll von den Schwestern erwidert werden, indem sie sich dem Leidenden, letztlich Christus, zuwenden und ihm Liebesdienste erweisen. Auf diese Weise folgen sie Christus nach und werden ihm immer ähnlicher. Ihren Orden weihte sie dem Herzen Mariens, das soviel Liebe für ihren leidenden Sohn hegte und das selber von einem Schwert durchbohrt wurde. Die liebevolle und herzensreine Gottesmutter sollte Vorbild für sie und ihre Schwestern sein“ (S. 87). Hier öffnet sich der auf die Kraftquellen, ohne die für Mutter Teresa ihr Dienst nicht lebbar und denkbar gewesen wäre. Unvergesslich bleiben außerdem die glühende Liebe der Seligen zur Kirche, ihre besondere Treue zu Papst und Lehramt.

Das zweite Bändchen ist nicht weniger empfehlenswert als das erste, das informativ, gut lesbar und positiv in der Aussage ist. Georges Gorrée und Jean Barbier haben 1975 erstmals eine Auswahl geistlicher Texte der großen Ordensfrau von Kalkutta veröffentlicht. 1977 erfolgte die deutsche Ausgabe, die nun reediert worden ist. In ihr tritt wiederum zutage, dass die Frau, deren äußere Lebensleistung 1979 auch durch die Verleihung des Friedensnobelpreises anerkannt wurde und die nach einer Umfrage von 2001 die Person war, von der deutsche Manager am tiefsten beeindruckt waren, nur verstanden werden kann, wenn man die geistliche Komponente ihrer großen Persönlichkeit ausreichend würdigt. „Die wahre Liebe. Geistliche Texte“ bietet Aphorismen und Briefzitate der Seligen sowie Anweisungen an die Mitarbeiter und Stellen aus ihren Kongregationskonstitutionen. Die hier vorgelegte Auswahl hat gegenüber den in jüngster Zeit publizierten autobiographischen Schriften von Mutter Teresa den Vorteil der Kürze und vielleicht auch der besseren Lesbarkeit, den Nachteil freilich, dass Wesentliches aus dem Schrifttum der Seligen aus Kalkutta, das Ende der 70er Jahre noch nicht bekannt war und gerade ihren geistlichen Kampf um den Glauben schildert, unberücksichtigt bleibt. Doch auch so gewährt die kleine Sammlung unvergessliche Blicke auf eine anziehende, innige und lebensnahe Spiritualität, die manchem für seine eigene Christusbeziehung und sein christliches Leben hilfreich sein können. So lehrt Mutter Teresa zum Beispiel: „Die Heilige Stunde vor der Eucharistie soll uns zur Heiligen Stunde mit den Armen führen, mit denen, die niemals eine menschliche Verwirklichung erreichen werden, mit den Armen, deren einziger Trost Jesus sein wird. Unsere Eucharistie ist unvollkommen, wenn sie uns nicht zum Dienst an den Armen und der Liebe zu ihnen führt“ (S. 22/23). Oder, in Bezug auf manche Wirren der Nachkonzilszeit: „Viele Leiden der Kirche werden heute einzig und allein durch falsch verstandene Freiheit und Erneuerung verursacht. Wir können nicht frei sein, wenn wir nicht imstande sind, unseren Willen freiwillig dem Willen Gottes unterzuordnen. Wir können uns nicht erneuern, wenn wir nicht die Demut haben anzuerkennen, was in uns erneuert werden muss. Seid deshalb auf der Hut vor Leuten, die mit wunderbaren Reden über Freiheit und Erneuerung zu Euch kommen, denn sie täuschen Euch nur“ (S. 77). Dem ist nichts hinzuzufügen.

Themen & Autoren

Kirche