Leitplanke im Strudel der Meinungsbildung

Die Hochschule der Jesuiten in München richtet den ersten Lehrstuhl für Medienethik ein. Von Anna Sophia Hofmeister

Sexismus-Debatte, Papst-Bashing, Politikerschelte – immer deutlicher zeigt sich die polarisierende und skandalisierende Wirkung von Medien. Sie ist an sich nicht neu, ihre weite Verbreitung, freie Zugänglichkeit und zweckorientierte Nutzung jedoch erreicht in unseren Tagen nie dagewesene Ausmaße. In der Wettbewerbssituation um die schnellere, sensationellere Neuigkeit nimmt sich kaum jemand die Zeit, nach ethischen Leitlinien zu fragen.

Vielleicht auch deshalb ist er der erste seiner Art in Deutschland: der Lehrstuhl für Medienethik an der vom Jesuitenorden getragenen Hochschule für Philosophie (HfPh) in München. In Zeiten, in denen sich die Medien in einem tiefgreifenden Umbruch befinden, an Schnelligkeit und Verfügbarkeit ständig zunehmen, stellt sich die Frage auch nach ethischen Leitplanken für Medienschaffende, die diesem Wandel Rechnung tragen. Welche Bedeutung haben Medien heute, welchen Zweck verfolgen sie? Wie prägen sie unsere Gesellschaft? Wer trägt dafür in welchem Maße die Verantwortung? Für derlei Fragestellungen will die Medienethik sensibilisieren – und mit sachgerechten Analysen Wege und Methoden aufzeigen, die für einen Umgang mit dem ,Medienmoloch‘ wegweisend sein können.

Dafür richtet sich der Lehrstuhl in erster Linie an die Studenten der Hochschule für Philosophie, die den weiterbildenden Master in Ethik machen wollen.

Erwartet wird neben einem philosophischen Schwerpunkt in Forschung und Lehre eine Zusammenarbeit mit der Medienpraxis. Denn der Lehrstuhl soll sich neben der Behandlung von Grundsatzfragen vor allem auch an der journalistischen und medialen Praxis orientieren und gezielt in Zusammenarbeit mit der Medienwelt stehen. „Durch die Verzahnung von Wissenschaft und Medienpraxis bietet der Lehrstuhl die Chance, Antworten auf die medienethischen Herausforderungen zu geben, die theoretisch fundiert sind und zugleich praktisch wirksam werden können“, betont der langjährige ZDF-Intendant Markus Schächter, mit dem die Hochschule für Philosophie eine prominente Figur für ihr Projekt gewinnen konnte.

Hier erweist sich der Lehrstuhl schon jetzt als ein Format von hoher Aktualität und großem Bedarf. Professor Johannes Wallacher, Präsident der Münchner Hochschule für Philosophie und Mitinitiator des Lehrstuhles, hat bereits zahlreiche Anfragen um Kooperationen mit anderen Institutionen erhalten. So möchten zum Beispiel die Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (HFF) und das Institut zur Förderung des Publizistischen Nachwuchses (ifp), die Journalistenschule der Deutschen Bischofskonferenz, ihre Auszubildenden medienethisch schulen lassen. Interesse daran wurde auch von Mediensendern selbst, öffentlich-rechtlichen wie privaten, bezeugt. Der neue Lehrstuhl knüpft an die lange medienethische Tradition der Hochschule für Philosophie an. So ist unter anderem das Netzwerk Medienethik, das von dem Medienethiker und Jesuiten Rüdiger Funiok mitgegründet wurde, seit vielen Jahren an der Hochschule angesiedelt. Beste Bedingungen für die zunächst auf fünf Jahre eingerichtete Stiftungsprofessur. Die ist allerdings noch ausgeschrieben, ein erstes „Vorsingen“ hat nach Angabe des Pressesprechers bereits stattgefunden; über die Kandidaten werden allerdings keine Informationen herausgegeben. Erste Lehrveranstaltungen sollen trotz des andauernden Auswahl-Prozesses bereits mit dem Sommersemester 2013 beginnen. Gemäß dem aktuellen Vorlesungsverzeichnis startet der Lehrstuhl mit einer Vorlesung von Markus Schächter zu dem Thema „Medien im Umbruch: Aktuelle Brennpunkte der Medienethik“.

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