„Legitimer Pluralismus“

Vatikan distanziert sich von Allams Äußerungen über den Islam

Vatikanstadt (DT/KNA) Der Vatikan ist auf Distanz zu jüngsten islam-kritischen Äußerungen des in der Osternacht vom Papst getauften Publizisten Magdi Allam gegangen. „Einen neuen Gläubigen in die Kirche aufzunehmen, heißt nicht, sich alle seine Ideen und Positionen zu Eigen zu machen“, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Donnerstag in Radio Vatikan.

Der ägyptischstämmige italienische Journalist Allam hatte in einem Zeitungsbeitrag am Tag nach seiner Taufe dem Islam Hass und Intoleranz vorgeworfen. In weiteren Interviews bekräftigte er diese Auffassung. Wörtlich hatte Allam erklärt: „Die 138 muslimischen Weisen, die mit dem Vatikan Dialog führen, sind keineswegs gemäßigt. Ich wäre nicht konvertiert, wenn ich den Islam für eine gute und gemäßigte Religion halten würde.“ Ein Dialog sei dennoch nötig und möglich, unterstrich der Journalist: „Es gibt gemäßigte Muslime, mit denen man Dialog führen kann und muss, unter der Bedingung, dass sie die universalen Werte mit uns teilen.“

Der Vatikan reagierte mit der Stellungnahme auf Kritik von Islamgelehrten der Dialog-Initiative „A Common Word“. Deren Sprecher Aref Ali Nayed hatte die Taufe Allams als „provozierend“ bezeichnet und ein Abrücken des Vatikan von den islamkritischen Äußerungen des Publizisten verlangt. Lombardi sagte, in vielen Themenbereichen herrsche unter Christen ein „legitimer Pluralismus“. Allam habe das Recht, seine persönlichen Ansichten zu bekunden, ohne dass diese „in irgendeiner Weise offizieller Ausdruck der Positionen des Papstes oder des Heiligen Stuhls“ würden.

Lombardi antwortete mit „Bedauern“ auf Äußerungen Nayeds, in denen er katholischen Schulen in islamischen Ländern die Abwerbung von Gläubigen unterstelle. Katholische Schulen und Universitäten würden seit jeher mehrheitlich von Nichtchristen besucht, die bei ihrem Glauben blieben. „Wir glauben nicht, dass der Vorwurf mangelnden Respekts vor der Würde und Freiheit der Person heute zu Lasten der Kirche geht“, sagte Lombardi. Zu Nayeds erneuter Kritik an der Regensburger Rede Benedikt XVI. sagte der Vatikan-Sprecher, man habe längst Erläuterungen zu einer „korrekten Interpretation im Sinn des Papstes“ gegeben. Zugleich blieben einige der dort berührten Themen wie das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft oder Religion und Gewalt weiterhin Gegenstand der Diskussion und unterschiedlicher Positionen.

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