Lebensschützer marschieren

„March for Life“ in Washington – Kardinal Rigali warnt vor FOCA

Washington (DT/om) Zum 36. Mal sind am vergangenen Donnerstag hunderttausende Lebensschützer anlässlich des „March for Life“ durch die amerikanische Bundeshauptstadt Washington gezogen. Am 22. Januar 1973 erließ der Supreme Court in Washington sein Urteil in Sachen Roe vs Wade, das die Abtreibung in den Vereinigten Staaten legalisierte. Seither erinnern Pro-Life-Aktivisten jedes Jahr mit einem Marsch zum Supreme Court an diese epochale Entscheidung, die für den Lebensschutz eine Zeitenwende darstellt. 1974 nahmen nach Angaben der Organisation etwa 20 000 Menschen an der Demonstration teil. 2006 waren es über 200 000. Damit stellt der March for Life die größte regelmäßige politische Demonstration in der amerikanischen Bundeshauptstadt dar.

Besondere Bedeutung gewann die Veranstaltung, weil sie nur zwei Tage nach der Amtseinführung von Präsident Barack Obama stattfand. Dieser ist Verfechter legaler Abtreibungsmöglichkeiten. Dennoch haben ihn die Initiatoren des Marsches zur Teilnahme an der Veranstaltung und zu einer Rede an die Teilnehmer eingeladen. In ihrem Schreiben vom 15. Januar weist die Präsidentin des Organisationskomitees, Nellie Gray, darauf hin, dass seit dem Urteil etwa 50 Millionen ungeborene Amerikaner getötet worden seien. Allein seit dem letzten Marsch seien 1,3 Millionen Babys abgetrieben worden.

An den Präsidenten gewandt, schrieb Nellie Gray: „Bitte schließen Sie sich als Präsident des ganzen Volkes an, wenn wir Lebensschützer aus Liebe zu Gott, zu unseren geborenen und ungeborenen Nächsten, Abtreibern eingeschlossen, und zu unserem Land für das Leben marschieren.“

Am Vorabend des Marsches hatte Kardinal Justin Rigali von Philadelphia in der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis in Washington eine feierliche Messe mit etwa 16 000 Teilnehmern gefeiert. Neben dem Vorsitzenden der US-Bischofskonferenz, Kardinal Francis George von Chicago, nahmen hunderte Bischöfe, Priester, Ordensleute und Seminaristen an dem Gottesdienst teil. Als Beauftragter der US-Bischofskonferenz für Lebensschutzfragen drückte Kardinal Rigali in seiner Predigt die „tiefe Bewunderung“ aus, die die amerikanischen Bischöfe für die Pro-life-Aktivisten empfänden.

Er begrüßte, dass mit Barack Obama erstmals ein schwarzer Amerikaner in das höchste Amt des Landes gewählt worden ist. Gleichzeitig forderte er aber, dass Obamas Rede vom Wandel zu einem Wandel für das Leben führen müsse. Seitens der amerikanischen Bischöfe könne Obama mit dem respektvollen, aber leidenschaftlichen Protest rechnen, wenn es darum gehe, das Leben zu verteidigen.

Der Kardinal lud die Gläubigen zu Gebeten ein, um das ungerechte Töten zu beenden. Jeder Einsatz für das Leben werde in dem Bewusstsein unternommen, dass „Christus unsere Hoffnung ist, und in ihm der Sieg schon errungen sei“. Rigali räumte ein, dass der Einsatz für das Leben unangenehme Folgen haben könne. „Wir können zurückgewiesen werden, weil wir die Gesellschaft konfrontieren“, sagte er. „Sind wir bereit, Ja zu sagen zu seinem Willen, ohne auf die Folgen zu schauen?“ Diese Opfer seien aber notwendig, da „viele von Gott geliebte Menschen getäuscht seien, indem sie Abtreibung akzeptierten. Deren Folgen aber könnten verheerend und ewig sein.

Heroischer Einsatz sei aber „jetzt mehr denn je“ erfordert. Angesichts der drohenden Verabschiedung des „Freedom of choice Act“ durch Präsident Obama werde der Weg für umfassendere Angriffe auf ungeborene Kinder geebnet.

Beim „Freedom of Choice Act FOCA“ handelt es sich um ein Gesetzesvorhaben, das eine weitere Liberalisierung der amerikanischen Abtreibungsgesetzgebung vorsieht. Danach könnten einzelstaatliche Regelungen außer Kraft gesetzt werden, die etwa das Einverständnis der Eltern bei minderjährigen Abtreibungswilligen vorsehen. Präsident Obama hatte während des Wahlkampfes die Unterzeichnung von FOCA als eines seiner vorrangigen Vorhaben zu Beginn seiner Präsidentschaft bezeichnet.

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