Kühn, unerschrocken, revolutionär

400 Jahre Maria-Ward-Schwestern – Festakt in München zum Gründungsjubiläum

München (DT) Eine Frau brachte die Kirchenwelt vor vierhundert Jahren gehörig durcheinander. Ihr Name: Maria Ward. Sie galt als Häretikerin, wurde von der Inquisition verfolgt, landete im Gefängnis. Grund: Sie gründete zum bis dahin exklusiv männlichen Orden das weibliche Pendant, eine religiöse Frauengemeinschaft ohne Bindung an ein bestimmtes Kloster, ohne Chorgebet und Klausur, dass sich die Jesuiten „fassungslos die Augen rieben“, wie der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten Stefan Dartmann am vergangenen Sonntag formulierte. Heute heißt der Orden „Con-gregatio Jesu“, in Bayern bekannt als die Englischen Fräulein. Die Gemeinschaft feierte am Sonntag in München ihr 400-jähriges Gründungsjubiläum.

Der Tag stand im Zeichen der Frau im Allgemeinen und Maria Ward im Speziellen. In der Michaelskirche führte Organist und Komponist Wolfgang Thoma eine Messe auf, die er Maria Ward gewidmet hat. Die Musik war modern und alt zugleich, mit schwebenden, modernen Klängen einerseits und klassischen Kadenzen oder Anklängen an Palestrina andererseits, mit brodelnden Ostinati und sich auftürmenden Stimmen, die schillernde Harmonien in den Raum warfen. Dass ausgerechnet der Augsburger Frauenchor „Vox female“ sang, mutete einigen emanzipatorisch an.

Sollte es wohl auch, denn mit ihrem Ziel, auch Mädchen und Frauen Bildung zu ermöglichen, fügte sich Ward in die lange Geschichte weiblicher Emanzipation ein. Für sie war die Schule ein Mittel, um den Glauben zu verkünden. Die Generaloberin der „Congregatio Jesu“, Mechtild Meckl, nannte Ward in ihrem Grußwort zum Festakt eine Pionierin für alle apostolischen Frauenorden und für Frauen in der Kirche überhaupt.

Als solche musste Ward viel Widerstand einstecken. Im gleichen Maße, in dem der Orden Zulauf und päpstliche Unterstützung erfuhr, fiel er teilweise auch aus dem historischen Gedächtnis, weil man die Schwestern vorsätzlich verstieß. Bereits 19 Jahre nach der Gründung wollten die Päpste Gregor XV. und Urban VIII. auf Drängen der Jesuiten die italienische Niederlassung der Englischen Fräulein schließen lassen.

Ward reiste nach Rom – und das war eine Kühnheit, ja Frechheit zu jenen Zeiten –, um ihr Anliegen persönlich vor Papst Urban zu tragen. Vergeblich. Dieser unterzeichnete eine Bulle zur offiziellen Aufhebung des weiblichen Jesuitenordens. Kurz geriet Ward in die Fänge der Inquisition und musste unter dem Vorwurf der Ketzerei mehrere Wochen in Haft.

Papst Urban ließ sie begnadigen. Und Ward gab nicht auf. Eine innere Freiheit habe ihr Mut verliehen, sagte Pater Bernd Franke. Unter anderem in dieser Freiheit zeige sich die Verwandtschaft zum Jesuitenorden. Dessen Gründer, Ignatius von Loyola, habe stets gemahnt, überall die Freiheit des Geistes und den Mut zu Gegensätzlichem zu bewahren. Diese Freiheit sei es, die den Gehorsam „im Sinne des Reiches Gottes“ hervorbringe, erklärte der Pater.

Ward erfuhr trotz der Widerstände immer wieder und vor allem in Bayern die Unterstützung einzelner Bischöfe und Fürsten. Einer von ihnen war Kurfürst Maximilian I., der Ward 1627 in der Stadt München aufnahm, die heute zentraler Wirkungsort der Schwestern ist. Der Kurfürst überließ der Gemeinschaft das Paradeiserhaus an der heutigen Weinstraße in München und unterstützte sie finanziell.

1978 erkannte die Kirche Wards Gemeinschaft mit ihren heute gut 1 900 Mitgliedern offiziell an. Als der Orden am 13. Januar 2004 die Konstitutionen des Jesuitenordens übernehmen durfte, nahmen selbst die ehemals größten Gegner den Frauenorden in die Arme. „Es war für uns Jesuiten wie mit Adam“, sagte Pater Stefan Dartmann beim Festakt und fügte erklärend hinzu: „Das ist endlich Bein von meinem Bein.“

Wards Entschiedenheit und Mut, allen Widerständen zum Trotz voranzupreschen, zeigt sich in einem ihrer zahlreichen Sprüche, die sie prägte. Auch wenn sie den Erfolg ihres Vorhabens nicht sehen konnte, wusste sie, dass sie richtig handelte und Gott ihr seine Hilfe nicht versagen würde: „Gott hat für alles seine Zeit.“

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