Krisengipfel im Vatikan

Spitze der Bischofskonferenz Venezuelas berät mit Papst Franziskus über die Lage in ihrer Heimat

Caracas/Rom (DT/Fides/KNA) Am heutigen Donnerstag trifft der Vorstand der Venezolanischen Bischofskonferenz mit Papst Franziskus im Vatikan zusammen. „Im Rahmen des Treffens werden wir Papst Franziskus im direkten Gespräch über die schlimme Situation in Venezuela berichten, über die der Papst bereits von der Apostolischen Nuntiatur informiert wurde“, heißt es in einer Verlautbarung der Bischofskonferenz. „Die Bischöfe werden auch Gelegenheit haben, Papst Franziskus im Detail über die Krise zu berichten, in der sich das Land befindet. Außerdem sollen sie die Verbundenheit mit dem Papst und die Dankbarkeit für seine Gebete, dessen Nähe und seine Sorge um Venezuela zum Ausdruck bringen.“

Dem Vorstand der Venezolanischen Bischofskonferenz gehören folgende Bischöfe an: der Vorsitzende, Erzbischof Diego Padron; der erste stellvertretende Vorsitzende Bischof José Luis Azuaje; der zweite stellvertretende Vorsitzende, Bischof Mario Moronta; der Generalsekretär Víctor Hugo Basabe sowie die Kardinäle Jorge Urosa Savino und Baltzar Porras als Ehrenvorsitzende der Bischofskonferenz. Zuletzt hatte die Bischofskonferenz in einer Erklärung vom 18. Mai die Achtung der Verfassung und die Organisation von Neuwahlen gefordert.

Für Kardinal Urosa Savino ist die Ausgangslage klar: „Die Regierung hat die Unterstützung des Volkes verloren“, sagte der für seine deutlichen Stellungnahmen bekannte Erzbischof von Caracas in dieser Woche Radio Vatikan. Was das venezolanische Volk nicht wolle, sei ein System, das sich gegen die Interessen insbesondere der Armen richte, so Urosa Savino weiter. Papst Franziskus habe stets sein großes Interesse, seine große Besorgnis, seine große Liebe in dieser schwierigen sozialen, politischen, wirtschaftlichen und humanitären Krise für Venezuela gezeigt, so der Kardinal. Deswegen wollen die Bischöfe nun „seine Ratschläge hören, damit die kirchliche Arbeit inmitten dieser schrecklichen Situation, die wir erleben, effizienter wird“.

Das lateinamerikanische Land blickt gespannt nach Rom: „Venezuela in den Händen des Papstes“, kommentiert die kolumbianische Tageszeitung „El Espectador“ mit leichtem Pathos. Kolumbien ist angesichts der hohen Flüchtlingszahlen aus dem Nachbarland von der Krise in Venezuela besonders betroffen. Urosa Savino weiß um die Bedeutung des Treffens auch mit Blick auf das Binnenverhältnis zwischen der Bischofskonferenz und der sozialistischen Regierung in Caracas. „Die Regierung will den Papst als Freund der Regierung präsentieren und uns als die Gegner der Regierung.“ Genau das Gegenteil sei aber richtig: „Wir stehen auf der Seite des Volkes, das sehr leidet. Wir sind sehr einig mit dem Heiligen Vater und wir wollen diese Manipulation zurückweisen.“

Der lateinamerikanische Sender „CNN en espanol“ spekulierte derweil über einen neuen Versuch, den vom Vatikan vermittelten Dialog zwischen Regierung und Opposition wiederzubeleben. Der Vatikan sieht sich offiziell allerdings nicht als Vermittler, sondern lediglich in einer Rolle des Moderators, der helfen will, dass Gespräche überhaupt in Gang kommen. Eine erste Gesprächsrunde über den Jahreswechsel scheiterte, weil nach Lesart der bürgerlich-konservativen Opposition als auch der katholischen Kirche die Regierung ihre Zusagen nicht eingehalten hatte. Die Freilassung von politischen Gefangenen sowie die Durchführung seit Monaten ausstehender Wahlen blieben aus. Davon wollte die sozialistische Regierung von Präsident Nicolas Maduro nichts mehr wissen.

Inzwischen geht Maduro einen anderen Weg. Nachdem der Versuch scheiterte, das Parlament auf juristischem Wege zu entmachten, ordnete Maduro eine ebenso umstrittene verfassunggebende Versammlung an. Die werde das Land in den Kommunismus führen, mutmaßt Kardinal Balthazar Porras. Die Opposition erhöht unterdessen den Druck durch Massenproteste, bei denen allerdings in beiden Lagern bereits mehr als 65 Menschen ums Leben kamen. Zehn Friedensnobelpreisträger riefen Venezuela in dieser Woche auf, das Recht auf friedliche Demonstrationen zu gewährleisten und die Gewaltenteilung im Land wiederherzustellen. Offenbar versucht die Regierung auch auf anderem Wege, Druck aus dem Kessel zu nehmen. Außenministerin Delcy Rodriguez erklärte, die Regierung stehe inzwischen im Dialog mit dem seit 2014 inhaftierten prominenten Oppositionspolitiker Leopoldo Lopez. Dessen Ehefrau erklärte, ihr Mann habe das Angebot der Regierung abgelehnt, das Gefängnis gegen Hausarrest zu tauschen und über seine Freiheit zu verhandeln. Die Regierung müsse alle politischen Gefangenen freilassen. In dieser Gemengelage wartet ganz Venezuela nun auf eine Geste des Papstes, die in der aufgeheizten Atmosphäre eine Wirkung in beide Richtungen haben könnte.

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