Kommentar: Wunschkandidat

Wer erwartet hatte, dass die Trägheit der vatikanischen Behörden die Augsburger Übel nach der Schlammschlacht um Bischof Mixa verschlimmern würde, kann aufatmen. Niemand kann „Rom“ nach der Ernennung Konrad Zdarsas mangelnde Reaktionsschnelligkeit oder ein verfehltes Krisenmanagement vorwerfen. In rekordverdächtiger Frist hat Papst Benedikt XVI. nicht nur die Sedisvakanz in Augsburg beendet, sondern auch den Wunschkandidaten der Freisinger Bischofskonferenz ernannt. Bischof Zdarsa vereint in sich alle Vorteile des Externen: Das Mixa-Lager kann sich auf einen wertkonservativen, theologisch soliden und romtreuen Bischof freuen. Für die Unterzeichner der umstrittenen „Pfingsterklärung“ gilt das Wort, das Diözesanadministrator Weihbischof Josef Grünwald bei der Pressekonferenz am Donnerstag aussprach: Loyalität. Grünwald selbst hatte die Unterschriftenliste am Ulrichsfest entgegengenommen und diese anschließend mit Unterzeichnern am Grab des Bistumspatrons abgelegt.

Solche Gesten signalisieren akuten Handlungsbedarf. Und sowohl der Inhalt der Erklärung als auch die Unterschriftenliste lassen erahnen, wie dringend Augsburg einen Hirten braucht. Vorerst bleibt Ungeduldigen viel Zeit für Appelle und öffentliche Ratschläge an den Neuen, denn der designierte Bischof soll erst Ende Oktober ins Amt eingeführt werden. Nachdem der Vatikan seine Hausaufgaben zügig erledigt hat, darf man sich darüber wundern. Dass Zdarsa in seinem neuen Bistum harte Nüsse knacken muss ist sicher. Seine Diasporaerfahrung dürfte ihm hier zugute kommen. Wie viele Katholiken in Ostdeutschland hat er gezeigt, dass sich Loyalität zur Ortskirche auch darin zeigt, nicht vor dem weltanschaulichen Gegner zu flüchten.

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