Koch für weitere Klärung des Kirchenverständnisses

Hannover (DT/KNA) Zu einer „weiteren Klärung des Kirchenverständnisses“ hat der Vatikanische „Ökumeneminister“, Kardinal Kurt Koch, die Kirchen der Reformation aufgefordert. Die katholische Kirche erkenne „die Evangelische Kirche so an, wie sie sich selbst versteht“, erklärte der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen in einem am Montag veröffentlichten Diskussionsbeitrag für das ökumenische Internetprojekt „2017 gemeinsam unterwegs“. Die Protestanten verstünden sich allerdings anders als die katholische Kirche, fügte er hinzu. Sie wollten „auf andere Weise“ Kirche sein, wie dies Papst Benedikt XVI. interpretiert habe. Diese „andere Weise“ muss nach Auffassung Kochs im ökumenischen Dialog über das Kirchesein weiter besprochen werden. Zu klären sei etwa, warum die Selbstbezeichnung als Kirche für evangelische Christen heute so wichtig sei, „nachdem sie diese in der Geschichte lange für sich abgelehnt haben“. Weiter fragte Koch, ob nur die Landeskirchen Kirche seien oder auch die Freikirchen und evangelischen Gemeinschaften. „Da man kennen muss, was man anerkennen will, setzt die Anerkennung der Evangelischen Kirche als Kirche diese voraus“, so der Kardinal. Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbunds (LWB), Pfarrer Martin Junge, betonte in einem weiteren Beitrag, evangelische Kirchen verstünden sich „als Kirchen im vollen Sinne“. Sie bekennten sich als Teil und Ausdruck der „einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche“. Junge hob hervor: „Evangelische Kirchen sind darum nicht auf eine Anerkennung angewiesen, die ihnen von dritter Seite zugesprochen werden müsste, um sich als Kirche verstehen zu dürfen.“ Allerdings sei es wichtig, dass eine weitere Verständigung zwischen den evangelischen Kirchen und der katholischen Kirche erfolge, so Junge. Bedeutende Meilensteine seien bereits gesetzt worden, etwa die internationalen Dialogergebnisse, auf denen aufbauend weitergearbeitet werden sollte. Auf praktischer Ebene seien es die vielerorts gängigen Begegnungen und die intensive Zusammenarbeit, die das Miteinander prägen. Protestanten und Katholiken seien längst keine Fremden mehr, betonte der LWB-Generalsekretär. Sie verstünden und erführen sich zunehmend als Kirchen im Dienst Jesu Christi. Im Sinne eines vertieften Miteinanders sei darum „die Anerkennung als Kirche ein folgerichtiger und nötiger Schritt“.

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