Kleiner Weltjugendtag mit großer Wirkung

„Neues Feuer braucht das Land“: 7000 junge Gläubige feiern das Pfingstfest mit der Loretto-Bewegung in Salzburg. Von Maria Galagno
Foto: Galgano | Ansteckend lebendig: Im Salzburger Dom sprang der geistliche Funke für das Evangelium über.
Foto: Galgano | Ansteckend lebendig: Im Salzburger Dom sprang der geistliche Funke für das Evangelium über.

Salzburg (DT) Seit über fünfzehn Jahren feiern Jugendliche das Pfingstfest in Salzburg mit der Loretto-Bewegung. Diesmal stand das Treffen unter dem Motto „Neues Feuer braucht das Land“. Mit einem Gebet für ganz Österreich feierten tausende Teilnehmer bei der Salzburger Festung, oberhalb der Stadt, dieses Motto. Doch die meisten Gebetsmomente, Lobpreisungen und großen Gottesdienste fanden im Salzburger Dom statt. An Pfingsten wurden sogar mehrere junge Erwachsene gefirmt. Während des ganzen Pfingstwochenendes zeigte sich ein klares Bild: Die katholische Kirche, die durch die Teilnehmer des Treffens gekennzeichnet war, ist jung.

„Viele kommen an solchen Anlässen, weil ein guter Freund oder die beste Freundin teilnimmt“, stellte der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, im Gespräch mit dieser Zeitung fest. Er leitete zusammen mit dem Gastgeber, dem Erzbischof von Salzburg Franz Lackner, am Samstag den Gottesdienst im Dom. Im Gespräch mit vielen Jugendlichen war vor allem das Eröffnungsmusical am Freitag ein besonderer Höhepunkt des diesjährigen Pfingstfestes.

Zum Einstieg gab es am Freitagabend ein von 30 Jugendlichen einstudiertes Musical, dessen Thematik sich durch das ganze Wochenende zog. Es ging darum, die Masken, die Menschen vor der Gesellschaft tragen, um nicht aufzufallen oder besonders beliebt zu sein, abzulegen und sich auf eine Beziehung mit Gott einzulassen.

Über 60 Katechesen und Workshops rundeten das Programm ab. Diese fanden in der ganzen Stadt verteilt statt. Doch nicht nur beten, das Treffen soll auch ein großes fröhliches Fest sein. Das betont der Begründer des Salzburger Pfingstfestes und Organisator der Veranstaltung, Georg Mayr-Melnhof, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Kirche hat in Österreich einen schönen Stellenwert, da wir fast 85 Prozent der Österreicher haben, die sich zumindest als Christen bezeichnen“, so Mayr-Melnhof. Doch wenn man die Zahl der praktizierenden Katholiken anschaue, so sei es in Österreich wie anderswo: Maximal zehn Prozent besuchen regelmäßig die Gottesdienste. „Wir wollen vor allem dazu animieren, echte Freunde Jesu zu werden“, fügt er an. „Wir müssen nichts tun, um in Beziehung mit Gott zu treten, außer seine bedingungslose Liebe anzunehmen“, sagte Mayr-Melnhof.

Das Pfingstfest in Salzburg wird vor allem von der katholischen Loretto-Bewegung getragen. Mayr-Melnhof ist im Regionalrat der Loretto-Gemeinschaft in Salzburg. Sein Anliegen mit dem Pfingstfest ist es aufzuzeigen, wie wichtig es für die Kirche von heute sei, so viele Jugendliche aus über 25 Nationen zusammenzubringen: „Hier lernen sie, keine Angst zu haben, ihren Glauben zu leben und dies zu zeigen.“

Das „kleine Weltjugendtreffen Mitteleuropas“ könnte durchaus ein „großes Weltjugendtreffen mit dem Papst“ werden. Das hält Erzbischof Franz Lackner für denkbar. „Allerdings glaube ich, dass wir das realistisch nur in Zusammenarbeit mit unserer bayrischen Nachbardiözese machen könnten“, erläutert Lackner auf Anfrage. Dass es ernst zu nehmen sei, liege auch daran, dass die langjährige Erfahrung und das Organisationstalent der vielen Helfer eine Garantie für die vatikanischen Organisatoren seien. Davon ist der Salzburger Erzbischof überzeugt. „Wir könnten das schon machen, aber wir müssten eben die bayrischen Nachbarn mit ins Boot nehmen. Das würde aber auch sehr gut passen“, so Erzbischof Lackner. Es wäre sehr sinnvoll, ein länderübergreifendes Weltjugendtreffen zu organisieren.

„Unser Helferinnen und Helfer sind ja sehr junge Leute“, fügt er an. Keine kirchenexterne Firma werde bei den Pfingsttreffen in Salzburg engagiert. Es seien also genug Jugendliche da, die ihr Know-how zur Verfügung stellen könnten. Auch sei die Bereitschaft und Hingabe, zu helfen, eine wichtige und entscheidende Voraussetzung, die die Erzdiözese Salzburg mitbringe. Übrigens: Einige Teilnehmer reisten sogar aus Brasilien und Neuseeland extra nach Salzburg an. 2 000 junge Teilnehmer übernachteten in fünf Salzburger Schulen und Tausende bei Gastfamilien sowie in Jugendgästehäusern, Pensionen und Hotels. Der von der Loretto-Gemeinschaft veranstaltete Kongress ist das größte christliche Jugendevent Österreichs. Insgesamt haben 300 Helferinnen und Helfer mitgewirkt.

Besonders freuten sich die Organisatoren über eine große Gruppe Jugendlicher aus der Ukraine. „Obwohl das ,Fest der Jugend‘ eine katholische Veranstaltung ist, kommen immer mehr Jugendliche anderer christlicher Denominationen, darunter viele orthodoxe und protestantische Christen“, berichtet Mayr-Melnhof.

Lackners Erzbistum hat just am Pfingstmontag den „Zukunftsprozess 2018“ begonnen. Der zweijährige Prozess steht unter dem Motto „Gott und die Welt“. Dabei werden Pfarreien, katholische Gruppen und kirchliche Einrichtungen ihre Ideen und Projekte erarbeiten und vorstellen. Beim Pfingstfest spürte man bereits, wie zahlreiche junge Salzburger Katholikinnen und Katholiken bei diesem Prozess mitwirken wollen.

Die 21-jährige Kärntnerin Alexandra Hart bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Es bedeutet für mich, den Glauben mit vielen Gleichartigen zu feiern.“ Der aus Deutschland stammende Max Oettinger aus Wien hat bei der Durchführung des Treffens mitgeholfen und sagt hierzu, dass solche Jugendtreffen wie jenes in Salzburg auch Familien anspreche. Hier entstünden auch „künftige“ Familien, weil viele junge Gläubige bei solchen Treffen sich kennenlernen. Der Glaube sei dann eine gemeinsame Basis und für viele junge Paare eine wichtige Stütze, erläutert Oettinger.

Abend der Barmherzigkeit im Dom

Die guten Erfahrungen aus dem Pfingstfest seien wichtige Impulse nicht nur für die Erzdiözese Salzburg, fügt der Generalsekretär der Österreichischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, hinzu. Große Zusammenkünfte zeigten Glaubenden wie auch Kirchenfernen, dass die katholische Kirche doch noch präsent sei und weiterhin Teil der österreichischen Gesellschaft sein will. Gleichzeitig ginge es nicht darum, einfach nur eine „österreichische Kirche“ zu fördern. Es gehe auch um die Verbindung mit der Weltkirche und mit dem Papst.

Dies wurde vor allem am Samstagabend ersichtlich, als ein „Abend der Barmherzigkeit“ im Dom durchgeführt wurde. In dessen Rahmen hörten 100 Priester Beichte. Da wurden zwei wichtige Anliegen von Papst Franziskus berücksichtigt: einerseits die Verbindung zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit und andererseits die Förderung des Sakraments der Buße. Doch wie der emeritierte Erzbischof von Salzburg bei der Abschlussmesse mit Firmungen im Dom sagte, sei die Jugend nicht wegen dem Bischof oder anderen Persönlichkeiten gekommen. Es ging und geht den Teilnehmern des Treffens nicht um Personenkult, sondern um den Glauben. „Wir hörten gerne den Priestern und Gastrednern zu“, war eines der Statements, die die meisten Jugendlichen auf Anfrage sagten.

Und auch in diesem Jahr – wie in den vergangenen Malen – gab es namhafte Redner: Bruce Clewett ist Leiter der internationalen und ökumenischen Bewegung „Jugend mit einer Mission“. Er betonte, dass Jesus alle Menschen anspreche. Milona Habsburg sprach über Medjugorje, doch vor allem stellte sie das Projekt „Mary?s Meals“ vor, da sie internationale Botschafterin dieser Initiative ist. Mehr als 900 000 Kinder in vielen Ländern erhalten durch „Mary?s Meals“ täglich eine Mahlzeit und Schulbildung. Und dann war noch der Kärntner Diözesanpriester Bernhard Wegscheid da, er referierte über den Glauben in der heutigen Zeit.

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