„Kirche kein Gemischtwarenladen“

Marx präzisiert Aussage zu Homosexuellen und Geschiedenen

München (DT/KNA) Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat seine Haltung zu Homosexuellen und Geschiedenen erläutert. In einem Interview mit der „Münchner Kirchenzeitung“ zeigte er sich „sehr unglücklich“ darüber, wie diesbezügliche Äußerungen von ihm bei einem Treffen von Bischöfen, Priestern und Laien vor drei Wochen in Mannheim dargestellt worden seien. Marx hatte dort einen besseren Umgang der Kirche mit „Gescheiterten“ angemahnt und in diesem Zusammenhang Homosexuelle und Geschiedene genannt. „Man kann wirklich nicht davon sprechen, dass Homosexuelle – oder auch Geschiedene – gescheiterte Menschen wären“, präzisierte Marx nun. Lebensentwürfe könnten scheitern, aber nicht Menschen, „die Geschöpfe und Ebenbild Gottes sind“.

Der Kardinal unterstrich, dass ein Homosexueller wie jeder andere Mensch auch nicht dafür verurteilt werden dürfe, „wie er ist“.

In einem weiteren Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag) nahm der Kardinal ebenfalls Stellung zu diesem Thema. Die Kirche habe „da nicht immer den richtigen Ton getroffen“, räumte er ein. Er sei aber froh, „dass wir heute mit dem Thema Homosexualität besser umgehen“. Zugleich verteidigte Marx die katholische Lehre, „dass die Sexualität in die treue eheliche Beziehung zwischen Mann und Frau gehört, die offen ist für Kinder“. Diese Position könne „nicht einfach so“ verändert werden. „Glauben und Kirche sind kein Gemischtwarenladen.“ Dass „nicht alle Menschen das leben können, ist eine seelsorgerische Herausforderung“. Die Kirche müsse diese Menschen auf ihrem Lebensweg „positiv pastoral begleiten“, so der Kardinal gegenüber der „Münchner Kirchenzeitung“.

Auf die Frage der SZ, ob er ein homosexuelles Paar segnen würde, antwortete Marx: „Eine homosexuelle Beziehung kann ich zwar nicht segnen, aber ich kann für Menschen, die darum bitten, beten.“ Homosexuelle gehörten zur Kirche und seien willkommen, wenn sie in der Gemeindearbeit mitmachen wollten.

Marx kündigte ferner in beiden Interviews eine intensive weitere Beschäftigung mit dem kirchlichen Umgang mit Geschiedenen an. Dies sei ein Ergebnis des Zukunftsforums der Erzdiözese. Die Seelsorge für diesen Personenkreis müsse weiterentwickelt werden. „Die Kirche wird sich schwer tun, eine einmal geschlossene sakramentale Ehe zu scheiden“, sagte der Kardinal, fügte aber hinzu, dass er noch keine letzte Antwort darauf habe. „Das ist eine Herausforderung, die wir theologisch anpacken müssen.“ Er werde sich dafür einsetzen, dass die Frage des Ausschlusses wiederverheirateter Geschiedener von den Sakramenten auf der Tagesordnung der Kirche bleibe.

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