Kein Zweifel an der Einstellung des Papstes

Auftakt zur Woche der Brüderlichkeit: Bundespräsident Köhler verteidigt Benedikt XVI.

Hamburg/München (DT/KNA) Bundespräsident Horst Köhler hat Papst Benedikt XVI. in der Debatte um den Holocaust-Leugner Richard Williamson in Schutz genommen. Vor allem Juden seien tief verletzt worden von einem „Verirrten und Verblendeten, dem der Vatikan die Hand ausgestreckt hatte“, sagte Köhler am Sonntag in Hamburg. Kein gerecht denkender Mensch könne froh sein über den Schaden, der entstanden sei. „Denn an der Einstellung des Papstes zum Holocaust hat nie ein Zweifel bestehen können. Sie ist eindeutig“, so der Bundespräsident wörtlich. Er äußerte sich beim Festakt zur zentralen Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ). Dabei fand traditionell die Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille des Deutschen Koordinierungsrates der GCJZ statt. Diesjähriger Preisträger ist der Münsteraner katholische Theologe Erich Zenger (69). Die Laudatio hielt der Mainzer Kardinal Karl Lehmann.

Der Bundespräsident bekräftigte, Antisemitismus und Antijudaismus dürften nirgendwo Platz haben. Er zeigte sich zuversichtlich für die Fortsetzung des christlich-jüdischen Dialogs. „Vielleicht hilft die Woche der Brüderlichkeit auch, Fehler zu vergeben“, sagte Köhler. „Nur gemeinsam können wir aus der schmerzlichen Lage wieder herausfinden und weiter am guten Miteinander bauen.“

Der Berliner Kardinal Georg Sterzinsky bezeichnete die Leugnung des Holocaust erneut als „Ungeheuerlichkeit“. Er bat darum, Benedikt XVI. zu glauben, dass er wie sein Vorgänger Johannes Paul II. die jahrhundertelange Judenfeindschaft der Kirche zutiefst ablehne. Das vom Zweiten Vatikanischen Konzil begründete neue Verhältnis zu den Juden gehöre in die Mitte der katholischen Kirche.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, würdigte die Reaktion in Deutschland auf den Skandal. Die meisten deutschen Bischöfe seien in ihrer Kritik „bis an den Rand des Möglichen gegangen, mancher einen Tick darüber hinaus“, unterstrich er. Namentlich würdigte er außer Sterzinsky auch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, und den Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Graumann warnte davor, Benedikt XVI. „antisemitische Anwandlungen“ zu unterstellen. Seine Klarstellung zum Fall Williamson sei unzweideutig gewesen. Dies habe dem Skandal die schlimmste Schärfe genommen. Es bleibe aber den Eindruck, dass der Vatikan als Kollateralschaden eine Verletzung der Juden in Kauf genommen habe, um die Einigkeit mit den Traditionalisten zu fördern.

Der Gesandte des Staates Israel, Ilan Mor, äußerte die Hoffnung, dass der im Mai geplante Israel-Besuch von Benedikt XVI. neue Impulse bringt. Die Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan müssten auf religiöser Ebene verbessert werden.

Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx erteilte jeglicher Form von Judenfeindlichkeit eine klare Absage: „Rechtsextremismus, Rassismus und Antijudaismus haben keinen Platz in der katholischen Kirche“, sagte Marx am Sonntag in seiner Ansprache zur Eröffnung der „Woche der Brüderlichkeit“ in München. Zugleich appellierte er an Christen und Juden, in einem aktiven Dialog zu bleiben: „Reden, lernen, erinnern. Aus dieser Trias sollten wir nicht aussteigen.“ Mit Blick auf die aktuellen Irritationen im katholisch-jüdischen Dialog fügte er hinzu, dies gelte auch dann, wenn die Schatten der Nacht drohten, den Tag zu verdunkeln. Die Auseinandersetzungen um die Pius-Bruderschaft dürften nicht kleingeredet werden, indem in- und außerhalb der Kirche schnell nach einfachen Erklärungen und Entschuldigungen gesucht werde, warnte Marx. Benedikt XVI. habe noch einmal verdeutlicht, „dass er selbst und die katholische Kirche jegliche Form des Rassismus, insbesondere des Antijudaismus und Antisemitismus aufs Schärfste verurteilen“. Bei seinem Besuch im Jahr 2006 in Auschwitz habe der Papst unterstrichen, es sei keine christliche Rede von Gott denkbar, die die Shoah leugne. Die bundesweite „Woche der Brüderlichkeit“ wird von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit veranstaltet. Dieses Jahr steht sie unter dem Motto „So viel Aufbruch war nie“.

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