Kein Übergangspontifikat

Bischöfe und Politiker aus Bayern gratulierten dem Papst zum 85. Geburtstag. Von Guido Horst
Foto: dpa | Besuch aus Bayern zum Festtag: Der Papst betet mit seinem Bruder Georg das Brevier.
Foto: dpa | Besuch aus Bayern zum Festtag: Der Papst betet mit seinem Bruder Georg das Brevier.

Rom (DT) Mit einem – fast – gewöhnlichen Arbeitspensum und ohne öffentliche Auftritte hat Benedikt XVI. gestern seinen 85. Geburtstag begangen. Gruppen und Delegationen, die dem Papst mit Spruchbändern oder Plakaten einen besonderen Gruß entrichten wollten, hatten sich nicht auf dem Petersplatz eingefunden. Stattdessen bauten Arbeiter des Vatikans die Stuhlreihen für die morgige Generalaudienz auf. Allerdings hatte der Tag für den Jubilar mit Besuch aus der Heimat begonnen: Um neun Uhr feierte Papst Benedikt in der Paolinen-Kapelle des Apostolischen Palasts eine Messe mit den sieben bayerischen Diözesanbischöfen, seinem Münchener Nachfolger Friedrich Kardinal Wetter und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Erzbischof Zollitsch überbrachte die Glückwünsche der deutschen Bischöfe. Auch eine Politikergruppe aus Bayern war, angeführt von Ministerpräsident Horst Seehofer, zur Gratulation angereist. Davon abgesehen sollte es ein „ganz normaler Arbeitstag“ werden, hatte bereits Privatsekretär Georg Gänswein angekündigt, allerdings mit „bayerischer Unterfütterung“. Der 88 Jahre alte Bruder Georg Ratzinger war bereits am Freitag im Vatikan eingetroffen. Er und Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone konzelebrierten mit dem Papst in der Paolinen-Kapelle, in der sich etwa 120 Personen eingefunden hatten. In einer kurzen und frei gehaltenen Predigt erinnerte der Papst voller Dankbarkeit an seine Eltern und dankte Gott für die Zuversicht, die ihn durch sein Leben begleitet habe. Das Tagesbulletin des vatikanischen Presseamts informierte mit 32 dürren Worten über dieses Zusammentreffen des Papstes mit den Gratulanten aus seiner Heimat.

Papst Benedikt selber hatte am Sonntag nach dem Gebet des „Regina coeli“ (Seite 5) an den siebten Jahrestag des Beginns seines Pontifikats erinnert. Beim Gruß der Gläubigen in französischer Sprache sagte er: „Anlässlich des siebten Jahrestages meiner Wahl auf den Stuhl Petri am kommenden Donnerstag möchte euch bitten, für mich zu beten, damit mir der Herr die Kraft gebe, die mir von ihm anvertraute Sendung zu erfüllen.“ Seinen Geburtstag hingegen erwähnte er mit keinem Wort.

Angefangen bei Staatspräsident Giorgio Napolitano haben die führenden Politiker und Leiter der staatlichen Institutionen Italiens dem Papst ihre Glückwünsche mitgeteilt. Napolitano drückte seine „Freundschaft und Hochschätzung“ aus. Für die italienischen Bischöfe erinnerte der Konferenzvorsitzende Angelo Kardinal Bagnasco daran, dass Benedikt XVI. auf seinen Reisen immer wieder vor der Gefahr warne, dass die Menschheit vom Weg des Humanen abirre, wenn sie die Selbstoffenbarung Gottes missachte. Für Benedikt XVI. sei die Verdunkelung des Glaubens die größte Sorge. Wie viele Gratulanten fassten auch die italienischen Medien den Geburtstag und den siebten Jahrestag der Papstwahl am 19. April 2005 in ihren Würdigungen zusammen. Mehrere Kommentatoren wiesen darauf hin, dass die bisherige Amtszeit von Benedikt XVI. schon längst nicht mehr als Übergangspontifikat bezeichnet werden könne.

Auch Jesuitenpater Federico Lombardi, der Direktor des vatikanischen Presseamts, der zugleich Chef von Radio Vatikan und des vatikanischen Fernsehzentrums ist, würdigte in seinem wöchentlichen Leitartikel beide Anlässe: den Geburtstag des Papstes und den Pontifikatsbeginn vor sieben Jahren. Als Kardinal Ratzinger in bereits fortgeschrittenem Alter zum Papst gewählt worden sei, schrieb Lombardi, hätten sich viele gefragt, ob das nunmehr beginnende Pontifikat intensiv und von Dauer sein werde und ob es ein Theologe verstehen würde, die ganz andere Aufgabe der pastoralen Leitung der universalen Kirche zu bewältigen. „In diesen sieben Jahren“, so Lombardi weiter, „haben wir bereits 23 internationale Reisen in mehr als 23 verschiedene Länder sowie 26 Reisen innerhalb Italiens verfolgt, wir waren bei vier Bischofssynoden und drei Weltjugendtagen dabei. Wir haben drei Enzykliken gelesen und zahllose weitere Ansprachen und lehramtliche Akte empfangen, wir haben an einem Paulus-Jahr und an einem Priesterjahr teilgenommen, wir haben gesehen, wie der Papst mutig, demütig und entschlossen – das heißt in klarem, dem Evangelium entsprechenden Geist – schwierigen Situationen wie der Krise entgegengetreten ist, die sich aus den Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker ergab.“ „Neu und originell“ sei es gewesen, so Lombardi, das Werk des Papstes über Jesus von Nazareth und sein Interviewbuch „Licht der Welt“. „Vor allem haben wir aus der Kohärenz und Beständigkeit seiner Lehre gelernt, dass die Priorität seines Dienstes an der Kirche und an der Menschheit darin besteht, das Leben auf Gott auszurichten, auf den Gott, den uns Jesus Christus kennenlernen lassen hat; dass sich der Glaube und die Vernunft gegenseitig bei der Suche nach der Wahrheit und bei der Antwort auf die Erwartungen und Fragen eines jeden von uns und der ganzen Menschheit helfen. Für all das sind wir unendlich dankbar.“

Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ verzichtete auf einen Leitartikel des Chefredakteurs, brachte auf Seite eins zwei Fotos des Papstes gemeinsam mit seinem Bruder in der päpstlichen Privatkapelle und veröffentlichte im Innenteil eine Würdigung von Kurienkardinal Kurt Koch, dem Präsidenten des vatikanischen Ökumene-Rats, sowie zwei Textauszüge über Benedikt XVI. aus dem von Georg Gänswein herausgegebenen Buch „Benedikt XVI. – Prominente über den Papst“: einen von Finanzminister Wolfgang Schäuble und einen von Franz Beckenbauer. Mit den Lesern und sehr vielen Menschen in aller Welt wolle man „in der Einfachheit des täglichen Gebets“ die Glückwünsche für den Papst zum Ausdruck bringen, schrieb der „Osservatore Romano“.

Themen & Autoren

Kirche

Papst in Budapest
Budapest
Umkehr: Die wahre Reform der Kirche Premium Inhalt
In Budapest wurde die Tiefendimension der Kirche sichtbar: Mit Blick auf Christus ist sie jung, dynamisch, fröhlich, ökumenisch, missionarisch und attraktiv. Ein Kommentar.
16.09.2021, 13 Uhr
Stephan Baier