Kardinal Meisner schaltet sich in Reliquienfall ein

Berlin (DT/KNA) Im Kölner Fall der verschwundenen Blutreliquie Johannes Pauls II. vermutet Kardinal Joachim Meisner „religiöse Überhitzung“ als Tatmotiv. „Materiellen Wert hat die Reliquie jedenfalls nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass irgendein irregeleitetes religiöses Gemüt dahintersteckt, das vielleicht einen Dieb beauftragt hat und den Papst einfach privat bei sich haben will, in der Nähe“, sagte der emeritierte Kölner Erzbischof der „Welt“ (Mittwoch). „Die Absicht ist ja vielleicht sogar edel – dass man den Heiligen aus irgendeiner religiösen Überhitzung heraus besonders verehren will“, so der 82-Jährige. „Aber man darf natürlich nicht so über die Stränge schlagen, und dass die Verehrung dem Täter guttut, kann ich mir auch nicht vorstellen.“ Seit dem Wochenende wird in Köln eine gläserne Kapsel mit einem Tuch vermisst, das einen Blutstropfen Johannes Pauls II. trägt. Die Reliquie wurde seit Ende 2013 im Kölner Dom verehrt. Kardinal Meisner ist der bisher letzte bekannte Zeuge, der sie noch gesehen hat. Nach eigenen Angaben war Meisner am Samstagabend im Kölner Dom, um die Beichte abzunehmen. Da sei die Reliquie noch zu sehen gewesen. „Ich hatte noch meine Hand daraufgelegt, als Geste der Verehrung, und noch das Glas mit den Fingern gespürt.“ Nach Angaben des Domkapitels vom Dienstag wurde die ausgesetzte Summe als Belohung zur Auffindung der Reliquie dank privater Spenden auf 3 200 Euro mehr als verdoppelt.

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