Regensburg

Weihe für alle?

Recht auf Weihe? Es wurde angeregt, nicht nur für Männer, die eine Priesterberufung haben, zu beten, sondern auch für Frauen, die sich zum Priestertum berufen fühlen. Es gibt kein Recht auf Weihe.

Weihe für alle?
Priesteramtskandidat Marvin Schwedler

Ein Hashtag – ein mit dem #-Symbol versehenes Schlagwort – dient in den sozialen Netzwerken dazu, bestimmte Themen auffindbar zu machen. Der Hashtag #weihefüralle erscheint in letzter Zeit immer wieder. Er wird verwendet, um für ein Umdenken in der römisch-katholischen Kirche in Bezug auf die Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern zu werben. In der Zeit der Corona-Pandemie und des Lockdown verbrachten viele in unserer Gesellschaft mehr Zeit am Handy und PC und waren vermehrt in den Sozialen Netzwerken unterwegs. Mir ging es dabei genauso. Besonders am vierten Ostersonntag, der in der Kirche als Sonntag vom Guten Hirten begangen wird und an dem auch vermehrt um geistliche Berufungen gebetet wird, fiel mir der Hashtag #weihefüralle auf. Es wurde angeregt, nicht nur für Männer, die eine Priesterberufung haben, zu beten, sondern auch für Frauen, die sich zum Priestertum berufen fühlen.

Eine erstaunliche Forderung

Es wird gar das Recht für Frauen zur Weihe gefordert. Eine erstaunliche Forderung, bedenkt man, dass es überhaupt kein Recht auf die Weihe gibt; auch nicht für Männer. Dies erscheint nach weltlichen Maßstäben vielleicht seltsam, aber diejenigen, die der Meinung sind, eine geistliche Berufung zu haben, werden von der Kirche nach strengen Maßgaben geprüft, und dabei spielt es auch keine Rolle, wie viele Kandidaten am Schluss zur Weihe zugelassen werden. Nicht der Einzelne entscheidet darüber, ob er geweiht wird, sondern die Kirche muss prüfen, ob der Kandidat tatsächlich eine Berufung zum Priestertum hat und dafür geeignet ist. Die Kirche erfüllt damit einen Auftrag, der von Gott selbst kommt, sie führt die Weitergabe des Amtes fort, welches Jesus eingesetzt hat. Sie kann schlicht und einfach nicht über das hinaus, was Jesus vorgegeben hat. Dass nur Männer zu Priestern geweiht werden können, ist mit dem abschließenden Wort in „Ordinatio sacerdotalis“ von Johannes Paul II. endgültig geklärt worden. Die Kirche kann das nicht ändern, ob sie nun will oder nicht.

Priestertum ist ein Dienst

Die große Gefahr ist nun allerdings, darin den Ansatz einer Geringschätzung der Frau zu sehen. Die Kirche betonte immer, dass sowohl der Mann als auch die Frau aufgrund ihrer Gottesebenbildlichkeit die gleiche Würde besitzen. Was sie unterscheidet ist nicht ihre Würde, sondern ihre Berufung. Alle Christen sind zur Nachfolge Jesu berufen. Der große und mühevolle Einsatz, der sich häufig bei einigen Interessierten hinter den Bestrebungen für eine Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern verbirgt, zeigt vielleicht, dass die Bereitschaft zum Zeugnis für Christus lebendig ist. Das ist wertvoll. Diese Nachfolge muss jedoch immer für Christus und seinem Willen gemäß geschehen. Das Priestertum ist ein Dienst, und als solcher sollte er auch immer aufgefasst werden. Ich stelle mir vor, welch große Kraft der Evangelisierung ausgehen würde, wenn diese Frauen sich mit der Kraft in der Verkündigung der Botschaft Christi einsetzen würden, mit der sie sich der Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern widmen. Wir sollten nicht bei den Fragen stehenbleiben, die schon geklärt sind, sondern uns den Aufgaben zuwenden, die noch offen sind. Und derer gibt es viele.


Der Autor, 25, ist Seminarist im Bistum Regensburg

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