Würzburg

Junge Federn: Notwendige Maßnahmen?

Die Feier der Liturgie, der Empfang der Sakramente und seelsorgliche Nähe könnten in Zeiten von Corona Trost spenden und zur seelischen Gesundheit beitragen.

Kirche in Zeiten des Coronavirus
In Zeiten, in denen viele Menschen mit Einsamkeit, existenziellen Nöten und all dem konfrontiert sind, dem sie im geschäftigen Alltag entfliehen könnten, scheint die Kirche besonders gefragt. Foto: Christophe Gateau (dpa)

Während das Corona-Virus die Welt in Atem hält, denkt manch einer – gerade auch in unserer Kirche – darüber nach, warum und wofür die Pandemie uns in Beschlag nimmt. Hier und dort hört man, dass Menschen ihre Prioritäten überdenken: Statt des „Höher-Schneller-Weiter“ der marktwirtschaftlich orientierten Betriebsamkeit modernen Lebens, so die These, werden Menschen wieder mehr auf „innere Werte“ schauen. Aus der Ruhe des Quarantänezustandes gewinne mancher vielleicht den Zugang zu einer neuen Transzendenz, die nach dem Sinn des Lebens fragt und auch religiöse Zugänge eröffnet. Die Frage: Was ist wirklich wichtig?

Die Kirche scheint jetzt besonders gefragt

Während diese Frage auf der persönlichen Ebene zu einer Neuordnung von Prioritäten veranlassen könnte, stellt sie sich ganz akut auf gesellschaftlicher Ebene: Die restriktiven Maßnahmen wie Ausgangssperren und Veranstaltungsverbote gelten nicht, wenn etwas „Systemrelevantes“ oder „Lebensnotwendiges“ entgegensteht. Doch was ist denn eigentlich notwendig, um zu leben? Arztbesuche wie Lebensmittelversorgung gehören unbestritten dazu, doch wissen wir: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.“ (Matthäus 4,4) In Zeiten, in denen viele Menschen mit Einsamkeit, existenziellen Nöten und all dem konfrontiert sind, dem sie im geschäftigen Alltag entfliehen könnten, scheint die Kirche besonders gefragt: Die Feier der Liturgie, der Empfang der Sakramente und seelsorgliche Nähe könnten Trost spenden und zur seelischen Gesundheit beitragen.

Was ist für Katholiken zum Leben notwendig

Leider ist das weitgehend – selbst im Fall der Einhaltung aller Hygieneregeln – nicht möglich, denn die Kirchen gelten nicht als „lebensnotwendig“ und so sind neben Gottesdiensten in einigen Bundesländern selbst offene Kirchen oder die Eucharistische Anbetung verboten. Das erscheint umso fraglicher, wenn man sich gewahr wird, dass andererseits noch Anfang April in Münster Demonstrationen gegen Atommüll-Transporte oder der Fortbetrieb der Rüstungsindustrie zur Aufrechterhaltung der – im ersten Quartal 2020 wieder auf Rekordhöhe gestiegenen – Waffenexporte möglich bleiben. Dass die Kirchen – wenigstens auf Ebene der Bischöfe – das ohne öffentliche Proteste hinnehmen und die Gottesdienstverbote als alternativlos ansehen, erscheint frustrierend: Wir müssen uns als Katholiken fragen, welche Antwort wir den Sinnsuchern in unserer Gesellschaft geben können. Was ist es für uns, das zum Leben notwendig ist?

Dass vielerorts katholische Gemeinden die Einkäufe für ältere Menschen übernehmen, ist bewundernswert fürsorglich und bedarf hoher Anerkennung. Gleichwohl gilt auch hier: Nicht vom Brot allein lebt der Mensch…

Der Autor, 25, studiert Theologie in Münster

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