Würzburg

Junge Federn: Lass mal los

Wer eine Wanderreise mit dem Rucksack unternimmt, weiß sehr genau, wie gut es ist, sich von Dingen zu trennen.
Pilgerin auf dem Jakobsweg
Foto: Matthias Dunemann | Pilgerin durch wunderbare Landschaften auf dem Jakobsweg.

Wenn es wieder heißt: „Die heutige Kollekte ist für…“, dann bekommt man schon mal an der ein oder anderen Stelle ein schlechtes Gewissen, denn Gott liebt einen fröhlichen Geber (vgl. 2 Kor 9,7) und man selbst erleichtert sich mal wieder nur von Kleingeld.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir aufgerufen sind, von heute auf morgen alles abzugeben und in die Armut zu treten – das wäre äußerst unvernünftig – sondern es ist eine Einladung zu überdenken, wo die Säulen des eigenen Lebens verankert sind, sodass ich fähig bleibe, von ihm gesendet zu werden. Die Dienste, in die uns Jesus beruft, sind für jeden unterschiedlich, doch bleiben wir gleichermaßen gesendet. „Faith is a Journey!“ Das Evangelium von der „Aussendung der zweiundsiebzig Jünger“ vereint diese zwei Bestandteile „Armut und Sendung“ und ist eine wunderbare Anleitung für den missionarischen Auftrag der Kirche: möglichst unbelastet in Gottes Namen wirken.

Man bestimmt selbst die Last,
die es zu tragen gilt.
Manuel Hoppermann

Was kann das übertragen auf unser heutiges Leben bedeuten? Zunächst einmal müssen wir wieder lernen abzugeben. Wer eine weite Wandertour vor sich hat, weiß sehr genau, dass es auf jedes gesparte Kilogramm im Rucksack ankommt, bevor die Reise beginnt. Man bestimmt selbst die Last, die es zu tragen gilt. Wer von einer großen Wohnung in eine kleinere Wohnung umzieht oder einfach nur seine Wohnung aufräumen will, muss sich zwangsläufig von Dingen trennen. Wenn die Schulzeit beendet ist und das Studium oder die Ausbildung ansteht, bin ich höchstwahrscheinlich gezwungen, die bekannte Heimat zu verlassen, um mich weiterentwickeln zu können. Wer sich diese Chance, mal über den Tellerrand der eigenen Gewohnheit zu sehen, entgehen lässt, der verpasst große Überraschungen im Leben – das Thema „Bequemlichkeit“ und „Hotel Mama“ lässt grüßen.

Eine persönliche Herausforderung war es, mich schrittweise von den sozialen Netzwerken zu lösen. Über zehn Jahre war ich treuer Facebook-Kunde. Zehn Jahre Facebook, sechs Jahre Instagram und knapp fünf Jahre WhatsApp und ich muss zugeben: Das Leben ist deswegen nicht besser geworden, aber es gibt nun mehr Zeit und weniger Ablenkung. Je mehr wir uns stückweise befreit haben, auch von den kleinen Dingen im Leben, haben wir ein offenes Ohr für Jesu Forderung zur Nachfolge und Selbstverleugnung. „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mt 16,24) Das sind unangenehme Worte und doch der Kern der Christusnachfolge. Fortschritt mit Jesus fordert Gehorsam durch Opfer und Verzicht. Wir hören auf IHN, wir vertrauen IHM, können loslassen und uns von IHM führen lassen. Eine wirkliche Freiheit, die Freude schenkt.

Der Autor, 25, arbeitet als Klavierbauer in Hamburg

Weitere Artikel
Sendungswerbung des ARD
Berlin

Sind Eltern Klimasünder? Premium Inhalt

Der Umwelt zuliebe auf Kinder verzichten? Die Frage des ARD sorgt für eine Welle der Empörung in sozialen Netzwerken.
23.11.2020, 17  Uhr
Emanuela Sutter
Themen & Autoren
Manuel Hoppermann Armut Evangelium Facebook Fremdenverkehr Gewissen Gewissensbisse Gott Jesus Christus Soziale Netzwerke Wandertouren

Kirche