Würzburg

Junge Federn: Gott und Corona

Gott hat uns die Vernunft geschenkt. Diese sollten wir nutzen, um die Pandemie effektiv zu bekämpfen. Zugleich stellt sich die Frage nach dem "Warum", dem tieferen Grund und Sinn dieses Leides.

Zum Umgang mit dem Coronavirus
Der Mensch muss vor der Natur und ihrer Gewalt geschützt werden, die das Corona-Virus nun mit sich bringt, anstatt dass die Natur vor dem Menschen und seinen technischen Möglichkeiten geschützt werden muss. Foto: Felix Kästle (dpa)

„Die Welt ist aus den Fugen geraten.“ Diesen Satz hat man in den letzten Jahren allzu häufig hier und dort gehört. Mich hat er aus verschiedenen Gründen immer gestört. Angesichts des Corona-Virus muss man nun jedoch konstatieren: Die Welt ist anscheinend nicht nur aus den Fugen geraten, sie ist ins „Chaos“ gestürzt.

Glaube an den unbedingten Fortschritt erschüttert

Die Infektions- und Totenzahlen steigen täglich, die wirtschaftlichen Verluste sind immens. Die aktuelle Situation zeigt, wie verletzlich viele fortschrittliche Gesellschaften und auch hoch-technisierte Volkswirtschaften insgesamt doch sind. Das Mantra und der Glaube an den unbedingten Fortschritt und die rationale Durchdringung aller menschlichen Lebensbereiche wird zutiefst erschüttert. Ein verloren geglaubtes Naturverständnis lebt nun wieder auf: Der Mensch muss vor der Natur und ihrer Gewalt geschützt werden, die das Corona-Virus nun mit sich bringt, anstatt dass die Natur vor dem Menschen und seinen technischen Möglichkeiten geschützt werden muss. Zweifellos hat das Virus wohl primär eine medizinische, physiologische Dimension. Da uns Menschen von Gott auch die Vernunft geschenkt wurde, sollten wir diese nutzen, um die Pandemie effektiv zu bekämpfen.

Zugleich stellt sich die Frage nach dem „Warum“, dem tieferen Grund und Sinn dieses Leides. Die Welt ist kein Paradies mehr. Krankheit und Leid wird es – als Folgen der Erbsünde – immer geben. Diese resultieren als physische Übel aus dem malum metaphysicum, das aus der Endlichkeit der Welt herrührt. Ist die Corona-Pandemie nun eine Strafe Gottes? Zwar schließen Liebe und Strafe einander nicht aus. Dennoch ist eine letztgültige Beantwortung dieser Frage unmöglich, sie wird ein Geheimnis bleiben.

Den Herrn um ein Ende des Leids bitten

Naheliegender erscheint es daher, den Herrn um ein Ende dieses Leides zu bitten, ja ihn anzuflehen, Erbarmen mit den Kranken und Sterbenden zu haben. Wir dürfen darauf vertrauen: „Du brauchst dich vor dem Schrecken der Nacht nicht zu fürchten, […] nicht vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche die wütet am Mittag.“, wie es in Psalm 91 heißt. Zugleich können wir die gegenwärtige Situation als positive Herausforderung auffassen:. Nun ist die Zeit, sich auf das Wesentliche zu fokussieren, zur Ruhe zu kommen und sich zu fragen, was im Leben wirklich wichtig ist. Bitten wir den Herrn dafür um seinen Beistand, auf dass wir in dieser schwierigen Zeit des „Chaos“ bestehen, gesund bleiben und auf ihn bauen.

Der Autor, 20, studiert katholische Theologie

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