Karlsruhe

Junge Federn: Freiheit setzt Leben voraus

Wir als Katholiken und Christen möchten Menschen beistehen, die leiden und im Sterben liegen. Unser Auftrag ist es, ihnen Trost und Hoffnung zu spenden.
Lebensrechtler üben scharfe Kritik am Sterbehilfe-Urteil des Bundesverfassungsgericht
Foto: Sebastian Kahnert (ZB)/dpa | Todesspritze statt menschliche Zuwendung: Lebensrechtler üben scharfe Kritik am Sterbehilfe-Urteil des Bundesverfassungsgerichts und warnen vor dessen Folgen.

Das Bundesverfassungsgericht hat in einer wegweisenden Entscheidung zur Verfassungsmäßigkeit des § 217 des Strafgesetzbuches, welcher die geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung verbietet, festgestellt: „Das allgemeine Persönlichkeitsrecht […] umfasst als Ausdruck persönlicher Autonomie ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.“ Dieses wiederum beinhalte die „Freiheit“, sein eigenes Leben zu beenden und dabei auf die Hilfe Dritter zurückzugreifen.

In der Deutlichkeit überraschend

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Das Urteil ist insgesamt von seiner Deutlichkeit und dem sehr „liberalen“ Ansatz gegenüber grundsätzlicher (strafrechtlicher) Regulierung der Sterbehilfe überraschend. Auch wenn die Richter argumentieren, es gehe hier primär um eine verfassungsrechtliche Bewertung, so fällt beim Lesen auf, dass die Entscheidung wesentlich ethisch-philosophisch und weltanschaulich geprägt ist. Hinter der Entscheidung steht ein bestimmtes Menschenbild. Die markanten Stichworte dazu sind Selbstbestimmung und Autonomie. Ist man also nicht für Selbstbestimmung und Autonomie, wenn man gegen die Legalität der Sterbehilfe ist?

Wir als Katholiken und Christen möchten Menschen beistehen, die leiden und im Sterben liegen. Unser Auftrag ist es, ihnen Trost und Hoffnung zu spenden. Auch dies ist eine Form von Sterbehilfe, jedoch im Gegensatz zur Hilfe bei der Selbsttötung eine wirklich „humane“. Denn aus christlicher Perspektive ist und bleibt der Selbstmord grundsätzlich eine schwere Sünde gegen die Liebe, die Liebe gegenüber Gott, gegenüber sich selbst und gegenüber den Nächsten. Zudem ist zu erwarten, dass durch das in Zukunft größere Angebot an assistiertem Suizid auch eine entsprechende Nachfrage generiert wird, welche ein Klima des subtilen Drucks kreieren könnte und wiederum die postulierte Selbstbestimmung untergraben würde.

Fundamentale Einwände gegen das behauptete Recht zum Suizid

Neben dieser praktischen Dimension gibt es zugleich ganz fundamentale Einwände gegen das behauptete Recht zum Suizid: Der Mensch ist nicht die Ursache seiner selbst, er hat sich nicht selbst geschaffen, sondern wurde von Gott im Mutterleib gewoben und mit Leben und Freiheit beschenkt. Dennoch lässt der Herr uns die größtmögliche Freiheit, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen. Der Tod als Antagonismus zum Leben ist jedoch neben der Geburt ein Phänomen, auf dessen „Ob“ der Mensch keinerlei Einfluss hat. Es erscheint daher sehr problematisch, ein Recht auf Selbstbestimmung dort zu konstruieren, wo die Selbstbestimmung – wegen des sicheren Eintritts des Todes – einerseits sehr beschränkt ist und andererseits die vermeintliche Ausübung der Freiheit in die Zerstörung derselben und die Vernichtung der eigenen Existenz mündet. Denn Freiheit setzt schließlich Leben voraus.

Der Autor, 21, studiert Jura in Hamburg

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