Wigratzbad

Junge Federn: Das richtige Firmalter

Früher spendete die Kirche die Firmung spätestens vor dem 12. Lebensjahr, heute müssen Firmlinge mancherorts sogar 16 Jahre alt sein. Was ist von der neuen Entwicklung zu halten?

Über das Firmalter
Die gesamte Tradition der Kirche sieht in der Firmung ein Sakrament, also ein von Christus selbst eingesetztes heiliges Zeichen, das die besondere Gnade des Heiligen Geistes vermittelt, im Glauben stärkt und die Taufe vollendet. Foto: KNA

In den letzten Jahren verschiebt sich das Firmalter immer weiter nach hinten. Häufig wird die Firmung als das Sakrament der christlichen Mündigkeit bezeichnet, weswegen mancherorts die Firmlinge mindestens 16 Jahre alt sein müssen. Früher hingegen spendete die Kirche die Firmung mit dem Erreichen des Vernunftsgebrauches, ab 7 Jahren also, spätestens vor dem 12. Lebensjahr. Was ist dann von der neuen Entwicklung zu halten?

Die Jugendlichen mit der Kirche in Kontakt bringen

Dafür scheint zu sprechen, dass man so die Jugendlichen mit der Kirche in Kontakt bringen will, um deren abnehmendem Messbesuch entgegenzuwirken. Zudem versteht man die Firmung als einen Übergangsritus vom Kind zum Erwachsenen, wo der Firmling bewusst eine Entscheidung für den Glauben vor der Gemeinde trifft. Müsste es einen da nicht verwundern, dass gerade nach der Firmung der allergrößte Teil von nun an fast gänzlich dem kirchlichen Leben fernbleiben?

Was ist denn die Firmung eigentlich? Bereits der heilige Clemens von Rom betont die Wichtigkeit der Firmung durch den Bischof, um die siebenfache Gabe des Heiligen Geistes zu empfangen. Er beruft sich direkt auf den heiligen Petrus, von dem er diese Lehre erhalten hat. Die gesamte Tradition der Kirche sieht in der Firmung ein Sakrament, also ein von Christus selbst eingesetztes heiliges Zeichen, das die besondere Gnade des Heiligen Geistes vermittelt, im Glauben stärkt und die Taufe vollendet. Es geht also nicht darum, dass man schon aus eigener Kraft für seinen Glauben einsteht: Im Gegenteil erhält man in der Firmung durch den Heiligen Geist erst die Kraft zum christlichen Zeugnis. Wäre nicht gerade vor der oft stürmischen Zeit der Pubertät, die nicht selten mit einer Glaubenskrise einhergeht und zum Desinteresse an der Kirche und am Glauben führt, der beste Zeitpunkt, dieses Sakrament zu spenden? Gerade dann braucht es doch die Gnade des Heiligen Geistes, um unter den vielleicht ungläubigen Freunden den Glauben verteidigen zu können und um im Ringen um die Keuschheit Erfolg zu haben.

Jeden Tag für den Glauben entscheiden

Außerdem sieht es mit dem Glauben ja nicht so aus, dass ich einmal vor der Gemeinde eine Entscheidung treffe: Jeden Tag muss ich mich für den Glauben an Jesus Christus entscheiden! Durch das tägliche Gebet, durch ein Leben nach den Geboten, durch den regelmäßigen Empfang der Sakramente, wozu auch der sonntägliche Besuch der Eucharistie zählt. Aus diesen Gründen spreche ich mich für eine Rückkehr zur früheren Praxis der Kirche aus.

Der Autor studiert Philosophie und Theologie am internationalen Priesterseminar St. Petrus in Wigratzbad

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