Paderborn

Gedanken machen über das  K-Wort 

Einige Gedanken über die Frage, was denn konservativ ist.

Weihrauch
Katholisch ist irgendwie immer konservativ. Foto: Oliver Berg (dpa)

Konservativ. Mir kommt vor, dass diese Etikettierung nur mehr negativ oder sogar abwertend konnotiert ist. Gerade in Zeiten des Synodalen Weges, der die innerkirchlichen Lager „liberal“ und „konservativ“ verstärkt betont. Diese Spaltung innerhalb der katholischen Kirche fordert mich als junge Katholikin dazu auf, Stellung für meinen Glauben zu beziehen, mich mit ihm zu beschäftigen und zu versuchen, seinen Kern zu ergründen um Profil zeigen zu können, ein klares Profil, das die Kirche so nötig hat. 

Konservativ

Als Gläubige habe ich einen „wahren Schatz“ gefunden, mit dem Werte einhergehen, die es zu bewahren gilt. Das Wort Konservativ bedeutet nichts anderes als bewahren, eben konservieren. Treffende Synonyme wären auch: Wertschätzend, ehrfurchtsvoll, staunend vor dem Größeren, das schon vor mir da war! Augustinus formuliert: „Der Verstand schafft die Wahrheit nicht, sondern findet sie vor.“ 

Die katholische Lehre ist von Natur aus konservativ und der Mittelpunkt des Konservativen sind Werte. Werte, denen Wahrheit zugrunde liegt. Wieso sollte ich davon abweichen oder experimentierfreudig damit umgehen? Natürlich muss die Kirche sich immer erneuern im Sinne der Form und der Sprache, welche die Menschen verstehen und sprechen, denn die Kirche ist für den Menschen — aber deswegen missachte ich nicht ihre Substanz, ihre Werte, letztlich ihre Identität! Im Gegenteil: Ich schwärme in der buntesten Vielfalt von ihrem zeitlosen und zu bewahrenden Kern. Sich dagegen von der Lehre die plausiblen Inhalte herauszupicken und scheinbar gesellschaftliche Trends, welche mit der Lehre bislang nicht kompatibel sind, hineinzwängen zu wollen, damit der Glaube leichter fällt und er sich dabei möglichst angenehm anfühlt, halte ich für eine verwässerte Art des Christseins, die den Glauben als Lebensstil zu verstehen scheint, weniger als einen wahrheitsfähigen propositionalen Glauben. 

Verstand findet Wahrheit

In der Politik werden verschiedene Werte vertreten und debattiert, woraus sich durchaus konservative und liberale Parteien ergeben. Christsein dagegen heißt für mich nicht, Werbung für einen attraktiven Lebensstil machen zu wollen, sondern eine Glaubensverkündigung im Sinne einer Wirklichkeitsbeschreibung erzielen zu wollen. Wer bin ich, erst dann glauben zu können, wenn ich den „rohen Wert“ erst durch den „Fleischwolf“ meines subjektiven Denkens pressen muss, um eine meinem Weltbild angepasste Version von Dingen zu erhalten, damit sie mir schmeckt und doch nicht nahrhaft ist? „Der Verstand schafft die Wahrheit nicht, sondern findet sie vor.“ 

Es lebe die Vielfalt der Formen, die sich in der Dynamik der Zeit immer wieder verändert, und das muss sie tun. Ebenso lebe der Kern der beständigen, treuen und loyalen Wahrheit der Werte und des einen, ewigen und bewährten Gottes, der derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit! 

 


Die Autorin, 24, studiert Religionspädagogik in Paderborn 

 

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