Bonn

Freiheit und Wahrheit

Zur Nightfever-Akademie treffen sich jährlich im Sommer Engagierte und Interessierte mit der Religionsphilosophin Hannah-Barbara Gerl-Falkovitz und Pfarrer Andreas Süß, dem Mitinitiator von Nightfever.
Freiheit und Wahrheit

Zur Nightfever-Akademie treffen sich jährlich im Sommer Engagierte und Interessierte mit der Religionsphilosophin Hannah-Barbara Gerl-Falkovitz und Pfarrer Andreas Süß, dem Mitinitiator von Nightfever. Die „Akademie“ nimmt uns junge Teilnehmer mit auf den Weg, Glaubenswissen aufzubauen, zu vertiefen und über unseren Glauben sprechfähig zu werden. Trotz Corona waren wir – unter Einhaltung sämtlicher Abstandsregeln – im Bischöflichen Priesterseminar im Herzen der Barockstadt Fulda herzlich willkommen und aufs Beste untergebracht. Hochschulpfarrer Florian Böth führte mit einem Impuls ins Thema und steckte das weite Feld zwischen Freiheit und Wahrheit für uns ab.

Der begnadete Apologet und kommissarische Leiter der Erwachsenenbildung Fulda, Marco Bonacker, beleuchtete zum Abschluss der Akademie in gewohnt spritzigem Vortrag nochmals die Postmoderne.

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Die gute Gemeinschaft und der spannende Austausch weit in die Akademieabende hinein zeichnet die Nightfever-Community für mich jedesmal aus. Besonders schön, gerade als von Corona-Einschränkungen betroffenes, normales Gemeindemitglied, war der spirituelle Rahmen von täglicher Messe und Abendgebet, zu dem uns auch einmal Michael Gerber, Bischof von Fulda, einen Impuls mitbrachte.

Das diesjährige Thema um Freiheit und Wahrheit könnte in Zeiten von Fake News und Selbstverwirklichung kaum aktueller sein und gab auch Anlass zu engagiert debattierten Ausflügen in die Postmoderne und die Genderdebatte.

In ihrer zugewandten und gütigen Art, gleichzeitig rhetorisch meisterlich, kenntnisreich und den faszinierten Schüler fordernd, führte uns Gerl-Falkovitz, eine Lehrerin im besten Sinne, auf eine philosophische Suche nach Wahrheit und Freiheit – von den alten Griechen über das Mittelalter zu Kant und Hegel in die Neuzeit.

Hier geht es niemals um bloßes Vortragen, sondern um das Fördern geistiger Eigenständigkeit und eigenen Begreifens. Nur wenn ich in der Lage bin, meine eigenen Überzeugungen, ja meinen eigenen, oft in der Kindheit erlernten, Glauben mit Verstand zu begleiten und auf ein argumentativ solides Fundament zu stellen, kann mein Herz so überfließen, dass ich mit gesunder Überzeugung und Leidenschaft auch im Alltag im Glauben stehe und in der Lage bin, wohlmeinenden Fragern und Rechtfertigung verlangenden Kritikern resilient und ebenbürtig gegenüberzutreten.

Begleiten wird mich ein Zitat des emeritierten Papstes Benedikt XVI: „Die Größe der Gnade liegt darin, dass sie die Mitwirkung wünscht.“ Gott ist so groß und gütig, dass er uns die Freiheit gibt, seine Gnade auch nicht annehmen zu dürfen, sonst wäre sie ja keine Gnade. Diese Freiheit setzt uns in all ihrer Ambivalenz doch auch in Verantwortung, sie gut zu gebrauchen. Wonach also dieses „gut“ beurteilen – wir Christen haben darauf eine so klare wie anspruchsvolle Antwort: Christus ist der Weg und die Wahrheit und das Leben (Joh 14,6).


Die Autorin engagiert sich in der Nightfever-Bewegung

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