Port Harcourt

Junge Federn: Zum Austausch nach Nigeria

In Nigeria funktioniert einiges anders als in Deutschland. Dies gilt für den Straßenverkehr - aber auch für Glaube und Liturgie.

Auslandsaufenthalt in Nigeria
Autofahren in Nigeria hat definitiv seinen eigenen Charme und würde bei vielen Autofahrern in Deutschland vermutlich Angstanfälle verursachen – aber es funktioniert. Foto: Tife Owolabi (EPA)

Mein Auslandsaufenthalt begann mit einem Flug von Frankfurt nach Port Harcourt, einer Millionenmetropole fast direkt am Atlantik. Von dort aus lernte ich Nigeria dann zuerst aus dem Auto heraus kennen; die Stadt meiner Gastuniversität war noch vier Autostunden entfernt. Autofahren hier hat definitiv seinen eigenen Charme und würde bei vielen Autofahrern in Deutschland vermutlich Angstanfälle verursachen – aber es funktioniert. Die Hupe war ständig im Einsatz; mit ihr wurden Lücken oder das eigene Überholen einem womöglich blinden Gegenüber signalisiert. Für meinen Geschmack sorgte das für eine sehr laute, aber erstaunlich gute Autofahrt. Auch die sogenannten „Kekes“ sind erwähnenswert: Dabei handelt es sich um dreirädrige Taxis, die einen schnell zum gewünschten Zielort bringt. Auch wenn ich bei manchen Manövern Angst hatte, aus dem Taxi herauszufallen – es hat keine Türen –, hat es sehr viel Spaß gemacht, damit zu fahren.

Meinen ersten Gottesdienst durfte ich am Sonntag nach meiner Ankunft erleben. Der Gottesdienst begann sehr pünktlich und ähnelte dem, was wir aus Europa kennen, stark. Drei Sachen haben mich aber dennoch stark fasziniert. Zuallererst wurde in der Messe bei vielen Gelegenheiten eine Menge getanzt. Die Menschen, vor allem die Frauen, haben auch körperlich ihrem Glauben Ausdruck verliehen. Besonders die Kollekte, es wurde ein Korb vorne aufgestellt, erinnerte mich an ein kleines Fest. Tanzende Frauen und Kinder, lachend und singend, begaben sich nach und nach nach vorne, um freudig der Kirche ihren Dank auszurichten. Für uns Deutsche, wo die Kollekte meiner Erfahrung nach eher geheim und diskret eingesammelt wurde, um keinen Zwang zu erwecken, ein überraschendes Erlebnis.

Ähnlich fröhlich klangen auch viele Lieder, die die Kirchenband oder die Gläubigen anstimmten, um sich bei der Kirche oder dem Glauben zu bedanken. Dies kreierte zum Teil spannende Kontraste, wurde zuerst nachdenklich Problemen angedacht und dann im nächsten Moment die Sorgen mit Stimmung weggeblasen. Ein erstaunlich schöner Anblick. Zuletzt möchte ich kurz die Predigt ansprechen. Im Vergleich zu mancher mir bisher bekannten, zum Teil austauschbaren Predigt, überzeugte mich die Predigt von Christian Anieke durch seine tagesaktive, durchgreifende Art, in welcher er aktuelle Missstände klar und an passenden Stellen humorvoll benannte, so dass ein insgesamt ergreifender, einprägsamer Gottesdienst zustande kam.

Der Autor, 21, ist Austauschstudent an der Godfrey Okoye Universität in Enugu, Nigeria