Würzburg

Junge Federn: Wie bei der Taufe

Vor wenigen Wochen wurde Alexander Ertl zum Priester geweiht. Ein besonderer Moment der Weiheliturgie war die Handauflegung, als ein alter Priester an ihn herantrat.

Bischof Voderholzer zum Weiheamt
Vor wenigen Wochen wurde Alexander Ertl zum Priester geweiht. Foto: dpa

Die Sprache der Liturgie ist voller Zeichen und Gesten, voller leiblicher Ausdrucksformen, die den Gottesdienst als einen Ort ausweisen, an dem Gott spürbar und erfahrbar wird. Nirgends tritt die Nähe Gottes deutlicher zutage als in der Feier der Eucharistie. Darum ist es immer wieder bewegend und erhebend, sich um den Altar zu versammeln und das Geheimnis des Glaubens zu feiern. Die Eucharistie ist unsere Lebensquelle, aus der alle Gnade hervorquillt, von der wir leben.

Seit einigen Wochen darf ich aufgrund von Handauflegung und Weihegebet des Bischofs selbst der Eucharistiefeier vorstehen. Jede Messfeier hat ihr eigenes Gepräge, doch berührt es mich jedes Mal zutiefst, den Gottesdienst mit dem Kreuzzeichen zu eröffnen, das Evangelium zu verkünden, die Wandlungsworte zu sprechen, der Gemeinde den Frieden zuzusprechen und so vieles mehr.

Vor der Weihe habe ich mich gefragt, ob man vom ganzen heiligen Geschehen vor Aufregung und Anspannung überhaupt groß etwas mitbekommt. Rückblickend gesehen war für mich die Weihehandlung sprechender als alle gesprochenen Worte. Jener Zeitpunkt, als wir Weihekandidaten auf dem Boden lagen und die Heiligen und Fürsprecher angerufen wurden, wird mich bestimmt das ganze Priesterleben über begleiten. Gerade angesichts oft entmutigender Umstände tut es gut, sich vereint zu wissen mit einer langen Tradition, die Gesichter und Namen besitzt.

Von geistlicher Dichte erfüllt

Momente später setzte sich die lange Schar an Priestern in Bewegung, um uns Niederknieenden durch die Auflegung der Hände ins Presbyterium des Bistums aufzunehmen. Der stärkste Augenblick ereignete sich nach einigen Minuten des stillen Gebets der vorbeiziehenden Kleriker. Als die Reihe an einem alten Priester war, sprach dieser leise und vertraulich zu mir: „Wie bei deiner Taufe.“ Es war derjenige Pfarrer, der mich vor 26 Jahre durch Taufe Christ werden ließ.

In dieser schlichten Aussage steckt so Ungeheuerliches. Auch die Handauflegung bei der Taufe geschieht im Schweigen. Alle menschlichen Worte verstummen, um allein Gottes Hand wirken zu lassen. Der Herr will auf jeden Getauften seine segnenden Hände legen, damit er fortan ganz dem Herrn gehöre. Gottes Hände greifen nach den Menschen, bergen sie schützend, damit alle Menschen in die Hände Gottes hineingeführt werden mögen. Die Handauflegung dauert zwar nur wenige Sekunden, ist aber eine von außerordentlicher geistlicher Dichte erfüllte Zeit. Eine kostbare Geste, derer sich jeder getaufte Christ rühmen darf.

Der Autor, 26, ist Priester im Bistum Regensburg