Novosibirsk

Junge Federn: Wie Gott rechnet

Auch im Altaigebirge in Sibirien, 5 000 Kilometer von Deutschland entfernt, gibt es Katholiken. Die katholischen Pfadfinder Europas haben sich auf den Weg zu ihnen gemacht.

Katholiken in Sibirien
Drei Wochen lang wanderte unsere Autorin durch das Altaigebirge in Sibirien; ein noch kaum erschlossenes Erbe der Natur. Foto: OLGA GAVRILOVA (266312091)

„Auf Wiedersehen; Gott soll euch segnen“, rufen uns zwei koreanische Ordensschwestern zu. Ihre Augen strahlen – unsere auch. Ich sattle meinen überdimensionalen Rucksack, denn wir ziehen weiter. Wir – das ist eine zwölfköpfige Fahrtenrunde mit jungen Frauen der KPE (Katholische Pfadfinderschaft Europas) aus ganz Deutschland. Drei Wochen lang wanderten wir durch das Altaigebirge in Sibirien; ein noch kaum erschlossenes Erbe der Natur. Auch hier, 5 000 Kilometer von Deutschland entfernt, gibt es Katholiken – und die wollen wir natürlich treffen.

Weltkirche derartig zu erfahren ist herzergreifend

Ausgangspunkt bildete die Diözese von der Verklärung in Novosibirsk. Fesselnd erzählte uns der dortige Bischof, Joseph Werth, wie er in Karaganda (Kasachstan) und in Litauen während dem Kommunismus eine blühende katholische Untergrundkirche erlebte. 1975 trat er selbst im Geheimen den Jesuiten bei. In solchen Zeiten Priester zu sein, hieß, mit dem Gefängnis zu rechnen.

So tief im Osten auf Katholiken zu stoßen, fühlt sich an, als würde man Verwandte seiner eigenen Familie besuchen. Weltkirche derartig zu erfahren ist herzergreifend. Am Ende unserer Fahrt besuchten wir eine katholische Missionsstation in Bijsk: Ein Priester, unterstützt durch die bereits genannten zwei koreanischen Schwestern. Sonntags zählt die neugebaute Kirche neun Gläubige. Oft kümmern sie sich nur um Einzelne. Von den Zahlen her betrachtet, scheint es, als mache ihre Gegenwart kaum Unterschied. Aber Gott rechnet anders, werden wir in der Predigt belehrt.

Reichlich Stoff zum Nachdenken

Am Abend sitzen wir mit den Ordensschwestern in gemütlicher Runde zusammen und singen. Sie verwöhnen uns nicht nur mit leckerem Kirschkuchen, sondern liefern vor allem reichlich Stoff zum Nachdenken. Ich denke an meinen eigenen gelegentlichen Frust, ausgelöst durch ehrenamtliche Jugendarbeit. Kaum einer kennt ihn nicht. Viel Zeit und Liebe wird in die Vorbereitung von Gruppenstunden und Jugendtreffen gesteckt, doch am Abend davor sagt die Hälfte der Teilnehmer ab. Sogleich kommen damit Ärger und der Zweifel, ob sich der ganze Einsatz denn lohne.

Wenn ich das nächste Mal so zu rechnen anfange, dann möchte ich an den Priester und die zwei koreanischen Ordensschwestern in Sibirien zurückdenken. Auch möchte ich nie die Freude vergessen, die sie ausstrahlten.

Die Autorin, 19, engagiert sich für die Katholische Pfadfinderschaft Europas