Junge Federn: Soll ich oder soll ich nicht?

Kirche ist für sie keine Heimat, sondern nur Gewohnheit. Gewissensbisse bekommt sie, wenn es um die Taufe ihrer zukünftigen Kinder geht.

Die Frage der Taufe
Klar kann man bei der Frage der Taufe damit argumentieren, dass ein Baby seinen eigenen Willen nicht äußern kann und deshalb die Erwachsenentaufe ein besseres Zeugnis des Glaubens ist. Dafür ist aber eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben nötig. Foto: Carmen Jaspersen (dpa)

„Soll ich oder soll ich nicht?“ heißt ein bekanntes Format des Radiosenders Bayern 3. Dabei sucht ein Hörer Rat und Hilfe bei einem Problem. Zwei Beispiele: „Soll ich oder soll ich nicht … den Nachnamen meines Mannes annehmen? / meine Schwägerin zur Hochzeit einladen?“ Die Hörer können direkt im Studio anrufen, im Internet abstimmen und auf Facebook kommentieren.

Vor einiger Zeit fragte Bayern 3-Hörerin Anja: „Soll ich oder soll ich nicht aus der Kirche austreten?“ Die Geschichte dahinter: Anja war auf einer Klosterschule und hat kirchlich geheiratet. Aber Kirche ist für sie keine Heimat, sondern nur Gewohnheit. Gewissensbisse bekommt sie, wenn es um die Taufe ihrer zukünftigen Kinder geht. „Sollte ich sie taufen lassen, weil es alle tun?“ Bis zum Abend haben über 1 000 Personen im Internet abgestimmt. Welche Seite hatte wohl die Mehrheit? 64 Prozent raten Anja zum Kirchenaustritt.

Taufen, weil's ja jeder macht?

Sogar Menschen, denen die Kirche zu sehr an den Zeitgeist angepasst ist, kehren ihr den Rücken. Anders dagegen die 24-jährige Monik, denn sie will katholisch werden. Für Monik ist die katholische Kirche von Christus selbst gewollt und uns anvertraut. Jeder Priester und jeder Bischof hat sein Weiheamt historisch gesehen direkt von Christus übertragen bekommen. „Bei ihnen könnt ihr einfach so beichten und sie sprechen euch von euren Sünden frei – wirklich ein Geschenk“, sagt Monik. Die Kirche beharre auf ihren Positionen: gegen Abtreibung, für die Unauflöslichkeit und Einzigartigkeit der Ehe zwischen Mann und Frau. Meinungen, mit denen man heute nicht mehr gewinnen kann, weil sie zu traditionell oder gar fundamentalistisch sind. Fast so, als würde ich sagen, dass mir eine Messe aus dem Messbuch würdiger sei als ein Gottesdienst mit frei gedichteten Tagesgebeten.

Viele Eltern lassen ihr Kind taufen, ja. Zur Kommunion gehen die Kinder dann auch noch, weil's ja jeder in der Schule macht. In der Kirche sieht man sie dann nur noch an Ostern und Weihnachten – sie hüpfen quasi nur von Sakrament zu Sakrament. Kirchlich heiraten wollen auch alle, weil die Bräute gern in einem richtigen Brautkleid heiraten wollen. Über die besondere Liturgie und das Sakrament der Ehe wissen die meisten nichts. Klar kann man bei der Frage der Taufe damit argumentieren, dass ein Baby seinen eigenen Willen nicht äußern kann und deshalb die Erwachsenentaufe ein besseres Zeugnis des Glaubens ist. Dafür ist aber eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben nötig, die eine lebendige Christus-Beziehung als Grundlage haben muss. Ich habe Anja geraten, diese Beziehung nicht aufzugeben, sondern sie wieder neu zu beleben und zu pflegen. Und wer weiß, vielleicht lässt sie ihre Kinder taufen und lehrt sie die Freude am Glauben.

Der Autor 28, ist Online-Redakteur beim christlichen Sender Radio Horeb