Junge Federn: Potenzial für Erneuerung?

Die Krise der Kirche ist offensichtlich. Über die Ursache herrscht Uneinigkeit. Ob der Synodale Weg wirklich zu einer grundlegenden Erneuerung der Kirche beitragen kann, bleibt fraglich.

Was man sich vom Synodalen Weg erhoffen kann
Wie viel Potenzial für eine grundlegende Erneuerung der Kirche der "Synodale Weg" birgt, muss sich erst noch zeigen. Im Bild: Die Bischöfe und Besucher beten beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Pünktlich zum neuen Kirchenjahr ist der Synodale Weg gestartet. Ergebnisoffen soll der von den deutschen Bischöfen und dem ZdK eingeschlagene Reformprozess gestaltet werden. Doch wieviel Potenzial für eine grundlegende Erneuerung der Kirche beinhaltet dieser Weg? Die Krise der Kirche ist offensichtlich. Über die Ursache herrscht Uneinigkeit. Es stellt sich die Frage, ob der Missbrauch die wirkliche Ursache der Kirchenkrise ist oder nicht vielmehr eine Folge einer Erosion des Glaubens?

Die Kirche bedarf der stetigen Erneuerung

Die Kirche bedarf der stetigen Erneuerung, doch wo beginnt diese? Eines der vier zentralen Foren beim Synodalen Weg ist die Sexualmoral. Die Mehrheit des Forums sieht in der Sexualmoral einen Widerspruch zu Erkenntnissen der Humanwissenschaften. „Einzelaussagen der derzeitigen Sexualmoral (zum Beispiel zur künstlichen Empfängnisverhütung, gleichgeschlechtlicher Sexualität, wiederverheiratet Geschiedener) widersprechen dem, was von den Gläubigen als sinnvolle Entfaltung der Sexualität wahrgenommen wird. Kirchliche Sexualmoral wird daher im Alltag weder rezipiert noch als relevant oder hilfreich erlebt.“

Auch der Vortrag von Professor Schockenhoff bei der DBK im März spiegelt diese Sicht wider. Für den Moraltheologen „verrät die Einseitigkeit, mit der Johannes Paul II. diese Warnungen regelmäßig vortrug, dass die Theologie des Leibes das sexuelle Begehren und den Triebcharakter des Eros nicht vorbehaltlos als einen positiven Ausdruck menschlicher Körperlichkeit und Lebenslust würdigen kann“. Wer die 133 Katechesen von Johannes Paul II. studiert, wird jedoch erkennen, dass diese oberflächliche Betrachtung in keiner Weise der Lehre gerecht wird. Papst Paul VI. warnte schon 1968 in der Enzyklika „Humanae vitae“ vor der Gefahr, die Frau als bloßes Objekt zu betrachten. Diese Prophezeiung ist heute Realität, denn Sexualität ist zu einer Beliebigkeit der eigenen Befriedigung geworden, bei der der andere zwangsläufig zum Objekt der bloßen Begierde degradiert wird. Das, was die Kirche und Johannes Paul II. lehrt, ist, dass die Person und die personale Würde untrennbar vereint sind. Sexualität ist Ausdruck personaler Gemeinschaft – liebende Vereinigung und Teilhabe am Schöpfungsplan Gottes.

Sexualmoral als Grundlage der Neuevangelisierung

Gerade die Sexualmoral bietet die Grundlage für eine gelungene Neuevangelisierung. „Wenn die Zukunft der Menschheit in der Ehe und Familie liegt […], dann könnte man sagen, dass die Zukunft von Ehe und Familie über die Theologie des Leibes von Johannes Paul II. führt. Einfach ausgedrückt, es wird keine Erneuerung der Kirche und der Welt geben ohne eine Erneuerung von Ehe und Familie.“ (West: Theologie des Leibes für Anfänger).

Der Autor, 27, arbeitet beim katholischen Sender Radio Horeb

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