Würzburg

Junge Federn: Maria im Advent

Warum es sich lohnt, im Advent mit offenem Herzen die Texte der Messproprien zu lesen.

Figur der Gottesmutter Maria mit Jesuskind
Bevor man im Advent den Blick zu Jesus richtet, sollte man ihn auf Maria wenden. Im Bild: Darstellung von Maria mit dem Jesuskind im Petersdom im Vatikan. Foto: Romano Siciliani (KNA)

Bevor man den Blick im Advent auf den Messias Jesus Christus richtet, sollte man den Blick auf Maria lenken. Ist den Christen eigentlich bewusst, dass während dieser ganzen Zeit unentwegt, wenn auch quasi „verschlüsselt“, von Maria gesprochen wird?

Nun der Reihe nach: Der erste Advent ist der Sonntag „Ad te levavi animam meam“ („Zu dir habe ich meine Seele erhoben“), wie eben die Sonntage nach dem Beginn des Introitus benannt werden. Wer ist der Mensch, der am besten von allen seine Seele zu Gott zu erheben vermag? Natürlich Maria, als edelstes aller Geschöpfe Gottes.

Der Name "Gaudete" ist Programm

Wie steht es mit dem zweiten Adventssonntag? „Populus Sion, ecce, Dominus veniet“ („Volk von Zion, siehe, der Herr wird kommen zur Erlösung der Völker“). Wenn Maria das Urbild der Kirche ist, dann personifiziert sich auch in ihr das Volk des Alten Bundes, das die Propheten hervorgebracht hat, die immer wieder auf den Erlöser und Messias hinwiesen. Daran schließt sich, quasi als Fortführung, der besonders hervorstechende Sonntag „Gaudete“ an. Rosafarbene Gewänder (oder besser gesagt: „rosaceus“) der Vorfreude dürfen getragen werden. Der Name „Gaudete“ mit dem dazugehörenden Vers ist Programm.

Betrachten wir den vierten Adventssonntag „Rorate“ mit seinen berühmten Introitus „Rorate, caeli, desuper, et nubes pluant iustum“. Es ist dies nicht nur der Vers des Sonntags, sondern auch der beliebten Roratemessen im Advent. Roratemessen sind nichts anderes als feierliche Votivmessen zu Ehren der Muttergottes in weißen oder goldfarbenen Gewändern. Beim Rorategottesdienst kommt die Verkündigung Mariä zu Gehör, am vierten Adventssonntag wird nach der erneuerten Leseordnung dann auch ein marianisches Evangelium verkündet. In der überlieferten Liturgie ist allerdings der Bezug zum Introitus stärker, es wird Lukas 3 gelesen. Johannes der Täufer wandert umher, ruft zur Umkehr und Buße auf und zitiert den Propheten Jesaja (Kap. 40): „Bereitet den Weg des Herrn, macht gerade seine Pfade, […], was krumm ist, soll gerade werden.“

Maria ist der ebene Pfad des Herrn

Was ist denn der gerade Weg und der ebene Pfad des Herrn anderes als Maria, von der im Introitus derselben Messe gesagt wird, dass die Himmel und die Wolken auf das Land herabregnen sollen. Die Muttergottes selbst ist dieses Land, die uns aus ihrem jungfräulich-fruchtbaren Schoß, der „Erde“ des Volkes Israel, den Erlöser geschenkt hat, den wir dann schließlich in der Heilige Kommunion empfangen.

Lesen wir daher mit offenem Herzen die Texte der Messproprien dieser gnadenreichen Zeit! Wissen Sie eigentlich, was das traditionelle Messordinarium der Weihnachtszeit ist? Es ist, wer hätte es nach diesem Artikel vermutet, eine Marienmesse (IX. oder X. Messe des Kyriale): Cantemus canticum novum!

Der Autor unterrichtet Latein und katholische Religionslehre

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