Würzburg

Junge Federn: Liturgiereform - Und nun?

Die mediale Stille anlässlich des 50. Jahrestages der Liturgiereform lässt vermuten: Man will nicht, dass die Öffentlichkeit von Neuem darüber informiert wird, dass es etwas Anderes gab und gibt, als die ordentliche Form des römischen Ritus.

50 Jahre Liturgiereform
Wurde zum Symbol der Liturgiereform in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils: der Volksaltar, hier zu sehen in der Kathedrale Notre Dame de Paris. Foto: Zmorgan - Eigenes Werk, Gemeinfrei

Dieser Tage jährt sich die Liturgiereform, die nach dem Zweiten Vatikanum durchgeführt wurde – postkonziliar, nicht konziliar – zum 50. Mal. Am ersten Adventssonntag trat die Konstitution „Missale Romanum“ von Paul VI. in Kraft. Doch wo sind die überschwänglichen Berichte der einschlägigen Medien? Die Tagungen und Kongresse? Offizielle Schreiben der DBK? Freudenausbrüche des ZdK oder von Wir sind Kirche?

Standardwerk zur Liturgiereform wurde nie neu aufgelegt

Will man nicht, dass die Öffentlichkeit von Neuem darüber informiert wird, dass es etwas Anderes gab und gibt, als die ordentliche Form des römischen Ritus (die leider allzu oft die unordentliche ist)? Oder mag man sich doch eher nicht daran erinnern, wie weit man von „Sacrosanctum concilium“ abgekommen ist? Wie der Entstehungsprozess der Liturgie im Detail war? Das Standardwerk dazu, „Die Liturgiereform 1948–1975“, jedenfalls ist nie neu aufgelegt worden in den letzten 25 Jahren. Es lohnt sich, dieses gewichtige Buch zu lesen, denn die sehr gerne zitierten Worte Kardinal Ratzingers über die am grünen Tisch entstandene Liturgie, über das neue Haus, das anstelle des alten, abgerissenen erbaut wurde, werden so sehr gut verständlich.

Es gab das sogenannte Consilium, das 1964 in direkter Konkurrenz zur Ritenkongregation entstand. Dabei traten die Experten in der Runde der Bischöfe, die das eigentliche Consilium ausmachten, direkt auf. Experten, die in ihrer Mehrzahl vom Reformeifer sehr beseelt waren, konnten so direkt die Entscheidung durch ihre Vorträge beeinflussen, die liberalen Bischöfe bekamen ihre Position gut begründet dargelegt. Die Arbeitsweise des Consilium ist dafür und für viele andere seltsame Vorgänge oft kritisiert worden: experimentelle Messen, bei denen man mit Stift und Klemmbrett saß und es trotzdem durch ein Wunder schaffte, andächtig zu sein….

Der Strippenzieher: Annibale Bugnini

Im Hintergrund arbeitete der in traditionalistischen Kreisen oft geschmähte und verleumdete Sekretär, Annibale Bugnini. Ohne seinen Eifer, sein Organisationstalent, seine guten Verbindungen in allerhöchste Kreise wäre vieles wahrscheinlich sehr anders gekommen nach 1965. Die Abschaffung aller Weihen bis zum Subdiakonat, der Massakrierung des Psalters und sogar kleine optionale Änderungen am altehrwürdigen Kanon sind von ihm gegen den ursprünglichen Willen Pauls VI. durchgesetzt worden. Paul VI. wurden einfach immer wieder sehr ähnliche Vorschläge präsentiert, bis er sich der Macht der Experten beugte.

Der Autor, 18, studiert Biochemie an der Universität zu Köln und ministriert dort bei der FSSP

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