Mailand

Junge Federn: Italienisches Beichtgespräch

Bei einem Besuch des Mailänder Doms ließ sich unser Autor auf ein Gespräch mit einem älteren Diakon ein. Wie es sich entwickelte, hatte er nicht erwartet.

Mailänder Dom
Der Mailänder Dom ist überwältigend. Besonders die vielen Säulen, die die Bischofskirche tragen, faszinieren. Foto: Daniel Naupold (dpa)

Vor vier Jahren hatte ich die 12. Klasse abgeschlossen und durfte mir nun sechs Wochen Sommerferien gönnen. Ich reiste mit einer Klassenkameradin in eine kleine italienische Stadt, die zwischen Turin und Genua liegt. Dort verbrachten wir einen Monat bei ihrer Familie und fuhren durch die naheliegenden Städte und Dörfer. Eines Tages machten wir einen Ausflug nach Mailand. Nach dem Mittagessen in einem schönen Lokal besuchten wir den Mailänder Dom. Die Kathedrale ist überwältigend, besonders die vielen großen Säulen, die diese Bischofskirche tragen, faszinierten mich.

Die Unterhaltung entwickelte sich zum Beichtgespräch

Während ich mir alles genau anschaute, hatte ich meine Reisebegleiterin aus den Augen verloren. Plötzlich fand ich im äußeren Bereich des Mittelschiffes einen Gesprächsraum in Form eines Aquariums, was mich zunächst an einen Beichtstuhl erinnerte. Bei genauem Hinschauen sah ich dort einen älteren Diakon sitzen, der eine Art Sprechstunde in Italienisch und Englisch anbot. Ich dachte: „Ok, ich war seit einigen Wochen nicht mehr in der Kirche. Beichten kann ich bei ihm sowieso nicht.“ Dennoch fiel es mir schwer, den Diakon zu ignorieren und ich ließ mich auf ein Gespräch mit ihm ein. Schnell konnte ich ein Vertrauen zu ihm aufbauen und das Gespräch entwickelte sich in Richtung eines Beichtgesprächs. Nach einer Stunde bemerkte ich, dass meine Reisebegleiterin außerhalb des Aquariums auf mich wartete.

Was die kleinen Dienste für den Nächsten bewirken

Und so musste ich das Gespräch mit dem Diakon beenden. Ich fragte ihn, ob er mir bei meinem Problem helfen könnte. Da er mir die Absolution nicht erteilen konnte, bot er an, dass wir gemeinsam das Vaterunser beten und er mir den Segen spendet. Ich kann mich nicht mehr erinnern, worüber wir genau gesprochen haben, aber für eines bin ich ihm bis heute dankbar: Dass er sich für mich Zeit nahm, mit mir betete und mich segnete. Für die meisten mag es sehr banal oder selbstverständlich sein. Aber vielleicht bewirken die kleinen Dienste für den Nächsten viel mehr, als wir es uns vorstellen können. Und möglicherweise ist Christus in solchen Kleinigkeiten am meisten gegenwärtig.

Der Autor, 25, ist Priesteramtskandidat im Erzbistum Köln

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