Würzburg

Junge Federn: Ist dieser Weg demokratisch?

Das Demokratiedefizit des Synodalen Weg weist jeden von Beginn an in die Schranken, der fordert, alle Bischöfe sollten am Ende an die demokratisch zustande gekommenen Synodaldekrete umsetzen.

Erste Synodalversammlung in Frankfurt
Der Synodale Weg sei kirchenrechtlich nicht geregelt, sodass seine Legitimität einzig und allein auf der Autorität der ihn berufenden Bischöfe beruhe, bemängelt unser Autor Maximilian Mattner. Foto: Nadine Malzkorn

Die erste Generalversammlung des Synodalen Weges hat sich intensiv mit der Frage befasst, ob die Kirche als Demokratie funktionieren könnte. Ohne auf die Frage eingehen zu wollen, ob es primär um den Willen des Volkes oder den Willen Gottes geht, muss man fragen, welches Verständnis von Demokratie den Synodalen Weg haben sollte? Demokratie ist mehr als nur ein Mehrheitsprinzip. Eine klassische Formulierung des Demokratieprinzips nahm 1863 der amerikanische Präsident Abraham Lincoln vor, der Demokratie als „government of the people, by the people, for the people“ bezeichnete. Vom Volk, weil dieses das einzige Legitimationssubjekt darstellt, durch das Volk, weil sich alles Handeln über Legitimationsketten auf das Volk zurückführen lässt und für das Volk wegen des Dienstcharakters der Demokratie.

Nicht besser legitimiert als die 9. Volkskammer der DDR

Daran gemessen kann der Synodale Weg wohl kaum demokratisch sein. Eine Überlegung: Ließe die britische Königin morgen durch ihren Kronrat ein Gremium weitgehend unbekannter Leute berufen, welches dann nach Mehrheitsprinzip das britische Volk vertreten soll, würde das kaum jemand als Sternstunde der Demokratie feiern. Wenn ZdK und DBK weitgehend unbekannte Leute nach undurchsichtigen Prinzipien und ohne jede Wahl durch den einfachen Gemeindekatholiken in ein Gremium berufen, welches nun das Volk Gottes vertreten soll, dann scheint das manchem als demokratischer Aufbruch. Der Synodale Weg ist demokratisch nicht besser legitimiert als die 9. Volkskammer der DDR – und obendrein nicht mal kirchenrechtlich geregelt, sodass seine Legitimität einzig und allein auf der Autorität der ihn berufenden Bischöfe beruht.

Es muss um legitimierte Mehrheit gehen

Das Demokratiedefizit weist jeden von Beginn an in die Schranken, der fordert, alle Bischöfe sollten am Ende an die demokratisch zustande gekommenen Synodaldekrete umsetzen. In einer Demokratie geht es nicht um irgendeine Mehrheit, sondern um eine legitimierte Mehrheit. Solange es die nicht gibt, beschließt einfach nur irgendwer irgendwas. Warum sollte das bindende Wirkung entfalten?

Der Autor, 25, studiert Theologie in Münster

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