Würzburg

Junge Federn: Gott ruft auch heute

Gott beruft Menschen zu einem ganz bestimmten Lebensweg. Für die meisten ist es der Ruf zum Leben in der Ehe und Familie.

Blumendokoration in der Kirche bei einer Hochzeit
Die Berufung zu Ehe und Familie verspüren viele Christen. Foto: Markus Münch (177928734)

Papst Franziskus hat mit seinem Apostolischen Schreiben „Gaudete et exsultate“ erneut und mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass alle Christen zur Heiligkeit berufen sind. Er schreibt: „Der Herr fordert alles; was er dafür anbietet, ist wahres Leben, das Glück, für das wir geschaffen wurden. Er will, dass wir heilig sind, und erwartet mehr von uns, als dass wir uns mit einer mittelmäßigen, verwässerten, flüchtigen Existenz zufriedengeben.“ Dieser Ruf zur Heiligkeit drückt sich in vielen Stellen der Heiligen Schrift aus, besonders deutlich im Matthäusevangelium: „Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ (Matthäus 5, 48).

Dieser Ruf zur Heiligkeit ist also universell und soll uns nicht abschrecken, sondern ermutigen. Neben der allgemeinen Berufung zur Heiligkeit gibt es eine besondere, persönliche Berufung. Für die meisten Christen ist dies jene zu Ehe und Familie. In der Ehe binden sich Mann und Frau freiwillig aneinander und versprechen sich bedingungslose, treue Liebe. Diese gegenseitige Liebe, welche die Liebe Gottes spürbar machen soll, nimmt im gemeinsamen Kind Fleisch an. Das Kind macht die Ehe zur Familie, welche die natürliche Zelle der Gesellschaft ist. In der Familie lernen wir teilen, verzeihen, lieben und in ihr sollten wir auch Gott kennenlernen. Eine Familie, die gemeinsam mit und über Gott spricht, wird zur Kirche im Kleinen.

Einige Männer und Frauen ruft Gott jedoch in eine andere Lebensform, die uns heute mehr und mehr fremd geworden ist. Seit den Anfängen des Christentums gab es immer Menschen, die wie Jesus Christus ehelos leben wollten, um ganz für Gott und ihre Nächsten da sein zu können. Zölibat und Ehelosigkeit, die in den protestantischen Gemeinschaften nur noch selten zu finden sind, in den orthodoxen Kirchen aber großes Ansehen genießen, sind ein wichtiger Teil des Katholizismus. Schon Paulus lebte und empfahl der Gemeinde in Korinth, die Ehelosigkeit wertzuschätzen, denn sie ermöglicht die volle Hingabe an Gott, während die Verheirateten sich um viel Weltliches kümmern müssen. (1 Korinther 7, 32ff) Ehe und Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen ergänzen sich und brauchen einander.

Die Eheleute antworten auf den Ruf Gottes und stellen ein sichtbares Zeichen für die Liebe und Treue Gottes dar. Priester und Ordensleute beweisen, dass Gott und seine Liebe allein für ein gelingendes Leben genügen. Sie folgen dem Aufruf Jesu: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib ihn den Armen; und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm, folge mir nach!“ (Matthäus 19, 21) Unabhängig davon, wofür uns Gott beruft: Wir sollten voller Freude dem Ruf Gottes folgen und damit Zeugen seiner Herrlichkeit werden, denn Gott ist treu und will unser Glück.

Alex Lamprecht ist Präfekt in einem katholischen Internat in Südtirol