Würzburg

Junge Federn: Göttliche Zielerreichung

Die Zukunft der Kirche hängt daran, der Vorsehung Gottes immer mehr zu entsprechen. Für innerkirchliche Diskussion heißt das: Demut ist angesagt.

Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz
Auch wenn der "Synodale Weg" zu seinen Beschlüssen gelangt, gilt wie in der Satzung fesgehalten immer noch, dass Beschlüsse der Synodalversammlung von sich aus keine Rechtswirkung entfalten. Im Bild: die deutschen Bischöfe beim Gottesdienst in Fulda. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Als früherer Bankkaufmann kenne ich die Praxis der Zielerreichungsbögen, auf denen festgehalten wird, wie viel Geschäft ein Mitarbeiter in einer bestimmten Zeit umsetzen sollte und wie viel er wirklich umgesetzt hat – wichtig, zumal wenn Prämienzahlungen davon abhängen. Ich bin nicht sicher, ob wohl die Synodalen dieser Tage auch einen solchen Zielerreichungsbogen mit sich führen?

Auf einer Podiumsdiskussion in Münster stellte jüngst eine Vertreterin des Diözesankomitees dar, welche Ergebnisse sie vom „Synodalen Weg“ erwarte: Man könne einschätzen, dass die vollwertige Frauenordination im Priester- und Bischofsamt noch nicht erreichbar ist und würde zunächst nur für die Diakoninnen-Weihe kämpfen. Beim Zölibat müsse man schauen, was geht. Die Soll-Zielerreichung scheint festzustehen. Gleich wenn der „Synodale Weg“ zu den gewünschten Beschlüssen gelangt, bleibt doch Art. 11 V seiner Satzung: „Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung.“ Sie bedürfen der Inkraftsetzung durch die Bischöfe, gegebenenfalls der römischen Zustimmung. Doch was passiert, wenn diese Ziele nicht erreicht werden? Ist Jesus dann doch nicht auferstanden?

Freilich könnte man mit einer solchen Frage jede innerkirchliche Diskussion abwürgen, doch hier soll sie für etwas anderes werben: eine Haltung der Humilitas, der Demut. Wenn nicht die Synodenmitglieder Herren des „Synodalen Weges“ sind, sondern der Heilige Geist, dann ist das keine Machteinschränkung, sondern eine Ermutigung, mit Gottvertrauen den Problemen der Kirche zu begegnen. Die Zukunft der Kirche hängt nicht an unseren Zielerfüllungsbögen, sondern daran, der Vorsehung Gottes immer mehr zu entsprechen – denn es geht ja um seine Kirche. Mit Petrus können wir fragen: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Nur du hast Worte ewigen Lebens!“ (Joh 6,68) Es bleibt uns zu wünschen, auch heute die Frage nach dem Grund aller Hoffnung zu stellen und mit Gott zu rechnen. Denn Gott rechnet mit uns.

Der Autor, 25, studiert Theologie in Münster

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