Würzburg

Junge Federn: Gedanken zur Fastenzeit

Während die Welt feiert, jubelt, sich in Rausch versetzt, sind Katholiken sich bewusst, dass es in diesem „Tal der Tränen“ auch eine andere Haltung gibt, wie man mit der conditio humana umgehen kann.

Fastenzeit
Anstatt sich zu berauschen oder in eine schöne Welt der Lügen und des Trugs zu entschwinden richten Katholiken den Blick in der Fastenzeit auf Christus. Foto: Uwe Zucchi (dpa)

In der Frühen Neuzeit entwickelte sich der Brauch, besondere Buß- und Sühneübungen zu leisten, um Gott um Vergebung zu bitten für das ausufernde Feiern, den Rausch und die Grenzüberschreitungen der Karnevalszeit. So fand vom Sonntag vor dem Aschermittwoch bis zum „Veilchendienstag“ in vielen Kirchen in Europa ein „Vierzigstündiges Gebet“ statt, das von mehreren Heiligen Messen umrahmt wurde und zum Fokus das ausgesetzte Allerheiligste hatte. Im Volk erfreute sich dieses „Alternativprogramm“ großer Beliebtheit, besonders da es so ausgezeichnet als Auftakt zur Österlichen Fastenzeit diente.

Wir müssen nicht verzagen und die Hoffnung verlieren

Heute ist zwar diese ehrwürdige Andachtsform größtenteils in Vergessenheit geraten, aber ganz grundsätzlich wird doch hier eine Wahrheit offenbart, die nicht an eine besondere Andacht gebunden ist: Während die Welt feiert, jubelt, sich in Rausch versetzt, dem Hedonismus, den leiblichen Genüssen und Sünden frönt, so sorgenfrei wie möglich lebt, sind wir Katholiken uns doch bewusst, dass es in diesem „Tal der Tränen“ auch eine andere Haltung gibt, wie wir mit der conditio humana umgehen können.

Unser Blick richtet sich auf Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes, der sich selbst erniedrigt hat und sich in jeder Heiligen Messe aufs Neue erniedrigt, wenn der Priester die Konsekrationsformel im Kanon spricht. Diese Erniedrigung zu üben, die Selbstabtötung, Buße und Verzicht zu üben und Sühne zu leisten für unsere und fremde Sünden ist der christliche Lebensweg. Die Abgründe, Finsternisse, die Traurigkeit, alle Not und alles Leiden in der Welt nehmen wir bewusst wahr. Anstatt uns zu berauschen oder in eine schöne Welt der Lügen und des Trugs zu entschwinden, sollen wir diese Realität aushalten.
Wir müssen nicht verzagen und die Hoffnung verlieren. Das ist, wie es im vierten Kapitel des Epheserbriefs steht, die Reaktion der Welt auf unsere Begrenztheit.

Umgang mit der augenscheinlichen Aussichtslosigkeit des irdischen Lebens

Für uns jedoch bietet das Buch der Weisheit eine ganz praktische Anleitung zum Umgang mit der augenscheinlichen Aussichtslosigkeit des irdischen Lebens. Ich empfehle allen Lesern, dieses Buch der Heiligen Schrift in der kommenden Fastenzeit aufmerksam zu lesen und darüber zu meditieren. Ein Leben nach dieser Weisheit und mit dem Beistand des Heiligen Geistes, des Trösters, kann unser ganz persönliches, immerwährendes Vierzigstündiges Gebet sein, das uns im Leben trägt und zu einem Stein des Anstoßes macht. Anstoß werden die Leute nehmen. Ein Anstoß zum Umdenken kann dieses Zeugnis aber auch werden.

Der Autor, 24, studiert Theologie in Münster

 

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