Würzburg

Junge Federn: Fürsicht Gottes

Seit ich bei der Seligsprechung des Märtyrers am Pfingstfest 2011 in Dresden war, ist Alois Andritzki einer meiner geistlichen Wegbegleiter geworden.

Der sorbische Selige Alois Andritzki
Es wird berichtet, dass der junge Priester Andritzki auch noch im KZ ausgezeichnet zu turnen verstand und sich mitunter im Handstand durch die Baracke bewegte. Im Bild: die Alois-Andritzki-Straße in Radibor. Foto: Wikicommons

Der erste sorbische Selige, Alois Andritzki, teilt sich seinen Gedenktag mit dem Hl. Blasius und dem Apostel des Nordens, dem Hl. Ansgar. Ein schwerer Stand, wenn es unter den Seligen und Heiligen darum ginge, einen Wettstreit um irdische Popularität zu gewinnen.

Ein geistlicher Wegbegleiter

Seit ich bei der Seligsprechung des Märtyrers am Pfingstfest 2011 in Dresden war, ist Alois Andritzki einer meiner geistlichen Wegbegleiter geworden. Faszinierend ist für mich sein Leben der erst unklaren, dann irdisch betrachtet ausweglosen Lage. Nicht nur in seinen Briefen, sondern auch in seinem Verhalten wurde und wird Freude, Hoffnung und Lebensmut erkennbar. Es wird berichtet, dass der junge Priester auch noch im KZ ausgezeichnet zu Turnen verstand und sich mitunter im Handstand durch die Baracke bewegte. „Trotzdem immer Kopf hoch und bejahend froh an die Arbeit gehen, ist doch nichts sinnlos, alles geht seinen rechten Lauf. Einmal kommt doch der Tag, an dem man dann froh zurückblicken wird auf diese Tage.“ Was für ein Satz, wenn man den Kontext bedenkt.

Aus welcher Quelle hat er geschöpft, woher nahm er zunächst den Mut, die kirchliche Jugendarbeit trotz Verbots fortzusetzen, weshalb er schließlich wegen „heimtückischer Angriffe auf Staat und Partei“ festgenommen wurde, und später die Kraft, nicht zu verzweifeln, sondern Zuversicht und Freude auszustrahlen?

„Der Geist der Gottlosigkeit und Verzweiflung, an eine göttliche Liebe zweifelnder Geist umweht einen allzusehr - wie soll man da die Zweifel nehmen, der Verzweiflung oder Gleichgültigkeit Einhalt tun, die Liebe ausspenden, da sie nur materiell gesehen wird - Worte aber nur leere Phrasen bedeuten!“ Alois Andritzki war nicht blauäugig, naiv oder gar entrückt, aber er gab sich auch nicht einem lähmenden Fatalismus hin, sondern er sah seine aktuelle Lage als verpflichtenden Bestandteil seines Lebensweges, auf den er nicht hingeworfen, sondern berufen wurde. Von Gott. Von IHM erwartete er deshalb auch ständige Wegbegleitung, auch dann, wenn sie für ihn gerade nicht spürbar war. Man kann aus seinen Briefen erahnen, welch innere Kämpfe diesen Satz gebaren: „Aber dieser Friede wächst auch noch täglich, wenn ich das so sagen darf. Denn man wird immer ruhiger und allen Dingen gegenüber beherrschter und sicherer. Alles was man tut, oder was einem begegnet, ist eingebettet in die ,Fürsicht' Gottes.“

Bleibendes Ringen um den Glauben

Dieses friedvolle Bewusstsein der alles umgreifenden „Fürsicht Gottes“ war für den jungen Priester prägend, nicht als Selbstläufer, sondern als bleibendes Ringen um den Glauben an die unendlich wirkmächtige Prägekraft Gottes, der in Christus den Tod besiegt hat: „der Geist muß uns leiten - und dann werden wir alles anders sehen und werten - uns wird offenbar die himmlische Herrlichkeit und wir sind froh, da wir wissen, daß wir einst dahin gelangen.“ Nicht die Frage nach Engagement für, sondern nach Leben aus, nach dem Ringen um, ist die Gretchenfrage des Glaubens und Formel christlicher Fruchtbarkeit im Hier und Heute.

Der Autor, studiert katholische Fachtheologie in Salzburg

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