Würzburg

Junge Federn: Für die Kirche tätig sein

Was will Gott, dass ich für die Kirche tue? Diese Frage stellt sich gerade heute, im Herzen Europas, wo es der Kirche nicht so gut zu gehen scheint.

Die Bedeutung des Gebets
Das Gebet ist wichtiger als die Tat: Evangelisierung wird nie erfolgreich sein, wenn Gott nicht mitmacht. Foto: Leslie E. Kossoff (KNA)

Was kann ich für die Kirche tun? Diese Frage beschäftigt manch einen engagierten Katholiken. Dabei mag es sein, dass die Frage falsch gestellt ist – müsste es doch eher heißen: Was will Gott, dass ich für die Kirche tue? Diese Frage stellt sich gerade heute, im Herzen Europas, wo es der Kirche nicht so gut zu gehen scheint.

Evangelium ist wichtiger als die Struktur

Ein erster Gedanke: Das Evangelium ist wichtiger als die Struktur. In Deutschland kleben wir noch sehr an unseren gewohnten Pfarrstrukturen – obwohl die Menschen „draußen“, gerade jüngere Menschen, damit nur begrenzt viel anfangen können. Es gibt den Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstände. Und vielleicht versuchen wir darüber, einen Glaubenskurs in unserer Pfarrei zu etablieren. Aber das will der Pfarrer/ der Pastoralreferent nicht – weil es zu viel Aufwand sei, weil es das ja schon übers Bistum gebe... In einer solchen Situation erscheint es angemessen, eigene Wege zu gehen und den Glaubenskurs eben doch zu organisieren – nicht über die Pfarrei, sondern privat, zu Hause, mit Freunden und Bekannten, fast wie in der jungen Kirche. Sicherlich bietet der Weg über die Pfarrei manche Vorteile, aber wenn die Flexibilität nicht vorhanden ist, müssen wir als getaufte und gefirmte Christen eigene Wege gehen. Für einen Glaubenskurs braucht man keine besondere Beauftragung durch den Pfarrer oder den Bischof. Die Gaben des heiligen Geistes sind da vollkommen ausreichend. Und vielleicht führt der privat organisierte Glaubenskurs ja dazu, dass die Pfarrei das bald auch machen möchte.

Die Person ist wichtiger als das Kollektiv

Ein zweiter Gedanke: Die Person ist wichtiger als das Kollektiv. Aus manchem bischöflichen Mund hört man gelegentlich, die Kirche müsse „die Menschen“ wieder erreichen. Das ist ja alles gut und richtig, aber eigentlich geht es nicht um das Kollektiv, sondern um die ganz konkrete, einzelne Person. Jeder Mensch hat eine einzigartige, gottgeschenkte Würde. Er steht im Fokus – und nicht „alle“. Deshalb berichten die Evangelien über so viele Begebenheiten, in denen der HERR einen einzelnen Menschen heilt, mit einem einzelnen Menschen redet oder einen einzelnen Menschen in seine Nachfolge ruft. Das sollten wir – als Kirche – vielleicht neu reflektieren. Es geht in erster Linie nicht darum, „alle“ zu erreichen, den „Durchschnittsmenschen“ oder die „Mehrheit“. Im Fokus steht immer die Person. Ganz konkret bedeutet das: den Ehepartner, die Kinder, die Familie, unsere Freunde, unsere Nachbarn.

Und noch ein letzter Gedanke: Das Gebet ist wichtiger als die Tat. Das Gebet kommt immer vor der Tat. Das macht die Tat nicht überflüssig, aber es rückt sie und ihren Erfolg in das richtige Licht. Unser Handeln, gerade bei der Evangelisierung, wird nie erfolgreich sein, wenn Gott nicht mitmacht! Bitten wir ihn zuallererst um seine Hilfe und seine Eingebung, was wir konkret für die Kirche tun können.

Der Autor, 27, arbeitet als Rechtsanwalt in Köln

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