Vatikanstadt

Junge Federn: Ein zweiter Brief aus Rom

Der Brief aus dem Vatikan an die deutschen Bischöfe lässt keinen Spielraum für Interpretationen.

Der Vatikan und der "Synodale Weg"
Nach dem zweiten Brief sah sich Kardinal Marx – wie beim Kommunionstreit – veranlasst, in Rom „Missverständnisse“ auszuräumen Foto: Marijan Murat (dpa)

Es traf uns deutsche Katholiken wie ein Blitz aus heiterem Himmel, als Mitte September ein zweiter Brief aus Rom zum Synodalen Weg veröffentlicht wurde. Nach wochenlangen Diskussionen stufte die Bischofskongregation die – übrigens bis heute unveröffentlichte – Satzung des Synodalen Weges – überraschend eindeutig – als kirchenrechtlich unzulässig ein. Damit schien endgültig klar zu sein, dass es den Synodalen Weg in seiner geplanten Form nicht geben wird. Papst Franziskus hatte seine Zweifel bereits im Juni in seinem Brief an die deutschen Katholiken angedeutet. Dort mahnte er etwa an, Einheit mit der Weltkirche zu wahren und fordert auf, auf das „Primat der Evangelisierung“ zu setzen. Dies wurde von den meisten Bischöfen und Gläubigen jedoch überhört, von Kardinal Marx und Thomas Sternberg sogar als Ermutigung interpretiert, den Synodalen Weg unverändert anzugehen. Dabei gab es durchaus einige kritische Stimmen, die die Anregungen des Papstes richtig verstanden hatten und deren Auffassung der zweite Brief nun bestätigt.

Es müssen neue Foren gebildet werden

Nach dem zweiten Brief sah sich Kardinal Marx – wie beim Kommunionstreit – veranlasst, in Rom „Missverständnisse“ auszuräumen. Dabei lässt der Brief keinen Spielraum für „unterschiedliche Interpretationen“. So steht dort etwa, dass eine Teilkirche über Themen, die die Weltkirche betreffen, nicht allein entscheiden darf. Deshalb kann in den Foren „Priesterliche Lebensformen“, „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ und „Sexualmoral“ nicht „ergebnisoffen“ diskutiert und entschieden werden. Diese Foren sind also hinfällig. Sofern der Synodale Weg weiterhin Bestand haben soll, müssen neue Foren – wie das von Maria 1.0 mit Blick auf die unübersehbare Glaubenskrise vorgeschlagene Forum „Neuevangelisierung“ – gebildet werden.

Ebenso stellt der Brief klar, dass die Bischöfe Entscheidungen treffen müssen und Laien nur beraten dürfen. Dies bedeutet, dass die Satzung so geändert werden muss, dass die Entscheidungen allein bei den Bischöfen liegen.

Die deutschen Bischöfe betreiben wohl Etikettenschwindel

Die DBK hatte in Fulda ein weiteres Mal Gelegenheit, die überfälligen – und im zweiten Brief klar benannten – Veränderungen vorzunehmen. Soweit bekannt ist, scheint die DBK jedoch Etikettenschwindel zu betreiben: Das Thema „Evangelisierung“ wurde zwar in der Präambel der Satzung des Synodalen Weges aufgenommen, zu tatsächlichen inhaltlichen Veränderungen kam es aber wohl nicht. Offensichtlich stieß also auch der zweite Brief aus Rom bei der DBK auf taube Ohren. Dabei bestehen keine Zweifel an der kirchenrechtlichen Unzulässigkeit des Synodalen Weges: Der Brief ist eindeutig genug.

Die Autorin, 21, studiert Rechtswissenschaften in München