Würzburg

Junge Federn: Ein besonderer Abend

Im Rahmen einer Aktion für hilfsbedürftige Menschen erlebte unsere Autorin ganz unerwartet einen Abend des Miteinanders und der Offenheit, den sie nie vergessen wird.

Gemeinsamer Abend in Frankreich
Johanne Mayer erlebte während ihrer Zeit als Au Pair in Frankreich einen Abend voller Humor, Freude und wunderschöner Begegnungen, der nicht nur ihre Augen zum Leuchten brachte. Foto: fotolia.de

Heute möchte ich dir von einem meiner Abende hier in Frankreich erzählen. Einem ganz besonderen Abend. Einem Abend voller Humor, Freude und wunderschöner Begegnungen, der nicht nur meine Augen zum Leuchten brachte…

In der Gesellschaft vergessen oder außer Acht gelassen

Alles begann damit, dass ich mit zwei während meiner Zeit als Au Pair gefundenen Freundinnen regelmäßig einen Dienst der Nächstenliebe ausüben wollte. So schlossen wir uns einer Gruppe aus freiwilligen Helfern an, die mehrmals im Monat verschiedene Aktionen für hilfsbedürftige Menschen anbietet – sei es gemeinsames Singen, Beten, Kaffee und Kuchen oder eben ein festliches Diner. Hier sind alle eingeladen, die sich nach Gemeinschaft, Freude oder Gesprächen sehnen, alle, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen, alle, die Angst um ihr tägliches Brot oder kein Dach über dem Kopf haben – eben all diejenigen, die leider viel zu oft in unserer Gesellschaft vergessen oder außer Acht gelassen werden.

Ohne zu wissen, was uns genau erwarten würde, trafen wir uns eines Abends mit den anderen Freiwilligen und halfen begeistert mit, die Tische und die von allen Seiten gespendeten Speisen herzurichten sowie alle weiteren Vorbereitungen zu treffen. Verwundert bemerkten wir die vielen Tische und fragten uns, ob es nicht etwas komisch sei, wenn einige Plätze leer bleiben würden. Doch kurze Zeit später wurde uns bewusst, dass es – im Gegenteil – sogar zu wenige Plätze gab! Wir hatten niemals mit über 40 Menschen gerechnet, aber genauso kam es! Schnell begannen wir, uns mit den besonderen Gästen auszutauschen und das Essen zu genießen. Dabei fiel mir auf, wie wohl ich mich vom ersten Moment an fühlte. Niemand schaute hier auf Kleidung, Alter, Erfolg, sozialen Status oder Figur – hier war einfach jeder Einzelne von Herzen willkommen!

Auch die Priester aßen das Baguette mit den Händen

Wunderschön und prägend war auch die Offenheit, die in diesem Raum herrschte. Eine ältere Dame neben mir, der zwar fast alle Zähne fehlten, die jedoch sehr gesprächig war, berichtete mir von ihrem Sohn; ein etwas verrückter, lustiger Mann gegenüber, der leidenschaftlich gern spanische Lieder zum Besten gibt (auch vor allen Anwesenden), erzählte mir von seiner Fantasiereise nach Griechenland und eine französischsprechende Engländerin mit einem viel zu süßen Akzent gab Pointen aus ihrem Leben preis.

Sogar zwei Priester waren anwesend, die genau wie wir anderen das Baguette mit den Händen aßen, sich mit dem Nachbarn die Gabel teilten und über jeden Witz lachten. Es war schlicht und einfach ein herrlicher Abend, der für immer in mein Herz eingebrannt sein wird. Auf dem Heimweg platzte ich fast vor Freude und wollte dieses Ereignis am liebsten mit der ganzen Welt teilen! Solche Begegnungen sind so wertvoll, dass es unbedingt jeder einmal erlebt haben sollte – und für mich heißt es nun: Ich habe großen Wiederholungsbedarf!

Die Autorin, 18, arbeitet derzeit als „Au Pair“ in Frankreich

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