Würzburg

Abschaffung der Optionitis

Die alte Messe mag wachsen in absoluten Zahlen, relativ gesehen ist sie irrelevant.

Alte Messe
Alte Messe. Foto: KNA

Im letzten Teil meines kleinen Dreiteilers will ich mich mit Lösungen im Spannungsfeld von radikaler „Reform“ seit 1965 und „Tradition“ von 1962 beschäftigen. Nun ist der Bau des erwähnten Dammes der „Messe aller Zeiten“ wie sein Bruch trauriger Fakt. Nach ganz fest kommt ja bekanntlich ganz lose. Was wäre dagegen zu tun?

Eine Rückkehr zur älteren Form des Ritus mag schön sein, würde aber wohl eher die Kirchen ganz entleeren. Sinnvoller wäre eher eine Abschaffung der Optionitis, eine Generalüberholung von Missale und Lektionar, ein deutliches Vorgehen gegen jeden liturgischen Missbrauch und Förderung des alten Ritus als komplementäre Ergänzung im Rahmen von Personalpfarreien samt Firmung im alten Ritus durch den Ordinarius, was zum Beispiel in den USA oder der Schweiz, aber scheinbar nicht in Deutschland möglich ist.

Bischöfe sollten sich des Klimas erbarmen

Motivationshilfe für die deutschen Bischöfe könnte sein, dass man sich so den enormen CO2-Ausstoß sparen würde, der dadurch entsteht, dass aus der kasachischen Steppe ein Bischof für eine kleine altrituelle Firmung mit mannshoher Mitra im Sondergepäck nach Deutschland fliegen muss.

Unabhängig davon, wie viele deutsche Bischöfe sich des Klimas erbarmen, ist eine solche vierte Editio typica jedenfalls sehr sinnvoll und dringend nötig. Sie wäre dann natürlich auch in Deutschland schleunig einzuführen (auf die dritte Editio wartet man hierzulande ja schon 17 Jahre, aber in meinem Alter darf man ja noch Träume haben…).

Gleichzeitig wäre von traditionalistischer Seite ein wenig Bescheidenheit, einzufordern und Bereitschaft, auch wirklich traditionell und vorkonziliar zu sein und nicht das Birett abzuschaffen und den alten Unsinn der Schubertmesse zu fördern. Vor allem aber täte es gut, sich klar zu machen, wo man steht.

Alte Messe relativ gesehen irrelevant

Die alte Messe gibt es laut Pro Missa Tridentina an 147 Orten in Deutschland. Das ist, mit Verlaub, wenig. Die FSSP hat sechs Priester letztes Jahr geweiht. Angesichts von 61 Weihen in ganz Deutschland, viel. Angesichts der Tatsache, dass sie zwei Seminare weltweit hat, eine überschaubare Zahl.

Die alte Messe mag wachsen in absoluten Zahlen, relativ gesehen ist sie irrelevant. Und daran würde sich auch bei massiver Förderung nicht viel ändern.

So sehr ich es auch persönlich begrüßen würde, wenn die außerordentliche Form der Regelfall würde oder es zur Reform der Liturgiereform käme, so muss ich doch Realist sein und anerkennen: Es gilt im Gehorsam zur Kirche und Papst beide Formen würdig und traditionsverbunden zu feiern und weder in rigoroses reines Persolvieren von Rubriken, noch in das eigene private Liturgiekomitee abzugleiten, den Modernismus wie den Archäologismus zu meiden, vor allem aber andächtig mitzuopfern.

  • Der Autor, 18, studiert Biochemie an der Universität Köln

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