Junge Federn: Was zählt, ist in der Krippe

Was bedeutet uns als Kirche Weihnachten? Von Benedikt Bögle
Benedikt Bögle, freier Autor "Junge Federn"

Was zählt, ist unterm Baum.“ Ein katholisch sozialisierter Leser könnte bei diesem Satz geneigt sein, an die Weihnachtskrippe zu denken, sollte die bei Ihnen zu Hause unter dem Baum ihren Platz gefunden haben. Weit gefehlt. Diesen Satz plakatiert der FC Bayern momentan in München. Er wirbt dabei nicht für die Darstellung der Geburt Jesu, sondern für attraktive Weihnachtsgeschenke. Nicht Maria, Josef, Jesuskind – sondern eher Trikots, Fußbälle und Fußballschuhe.

Als christliche Botschaft vom Weihnachtsfest könnte man vielleicht eher sagen: „Was zählt, liegt in der Krippe.“ Eine Absage an das konsumorientierte Weihnachten unserer Tage, eine Absage an die reine Konzentration auf irdische Güter. Aber: Gelingt uns diese Botschaft denn auch wirklich? Manchmal habe ich den Eindruck, wir stimmen als Kirche nicht ungern ein in den Chor der Sentimentalität. Was bedeutet uns als Kirche Weihnachten? Das Aufstellen der Weihnachtskrippe oder das erste „Stille Nacht“ am Ende der Weihnachtsmette? Der Weihrauchduft an Epiphanie oder das gemütliche Beisammensein in der Zeit der Feiertage? All das kann und soll ja auch den Charakter des Festes unterstreichen, eigentlicher Inhalt ist aber etwas anderes – oder besser: ein anderer. Jesus Christus, der Retter der Welt. Verkünden wir diese Botschaft an Weihnachten? Diese Frage hat auch der PR-Berater Erik Flügge gestellt. Er stellt fest: An Weihnachten sind die Kirchen voll, meistens zumindest, voller jedenfalls als im Rest des Jahres. Natürlich ist das für jeden Prediger eine ganz große Herausforderung. Einmal im Jahr hat man die Chance, die zu erreichen, die nicht mehr in die Gottesdienste kommen, die Kirche aber wenigstens an Weihnachten noch wichtig finden. Da kommen die, bei denen wir noch eine Chance hätten. Also: Die Weihnachtspredigt muss überragend werden.

Flügge schreibt: „Weihnachten ist nicht alles, aber nicht das Fest der Familie. Maria und Josef bekommen ihr Jesus-Baby nicht im Kreis der Großeltern, Onkel und Tanten. Sie sind nicht zu Hause, nicht mal in der Nähe.“ Das muss auch in der kirchlichen Verkündigung deutlich werden. Weihnachten ist das Fest eines Gottes, dessen Wort Fleisch wird. Eines Gottes, der zu den Menschen hält – und dabei in einem Stall auf die Welt kommt. Die ersten Besucher am Wochenbett sind Hirten, arme Menschen, einsame. Gott kommt an den Rand der Gesellschaft. Das hat mit schönen Gefühlen recht wenig zu tun. Das ist nicht Heimeligkeit, sondern Hoffnung, nicht konsumorientierter Spaß, sondern tiefe Freude. Was zählt, ist in der Krippe. Nicht unterm Baum.

Der Autor, 23, ist katholischer Theologe und studiert in Regensburg Rechtswissenschaften

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