Junge Federn: Kirche – für Junge attraktiv: Kindergarten der Realität

Kirche – für Junge attraktiv: Kindergarten der Realität

Das ist eigentlich ziemlich einfach. Nämlich, wenn sie eine attraktive, junge Blondine wäre mit allem, was zu einer Blondine so dazugehört. Von mir aus auch brünette. Ist mir eigentlich egal. Genauso egal ist es mir, wie die Kirche sich „attraktiver“ gestalten kann. Naja nicht ganz. Die katholische Kirche, ihre Lehre, ihre Dogmen, ihre Tradition sind meine Heimat, und keinem vernünftigen Menschen ist es egal, was mit seiner Heimat passiert. Die Frage aber nach der „Attraktivität“ der Kirche oder gar, wie die Kirche „attraktiver“, „besonders für junge Menschen“ gestaltet werden könnte, verwirrt mich mindestens. Was soll das heißen? Dass die meisten Bischöfe und Kardinäle keinem gängigen Schönheitsideal entsprechen, mag stimmen. Soll jetzt die Kardinalskurie mit Victorias Secret Modellen aufgefüllt werden? Dann wäre ich jedenfalls gerne Papst, obwohl Pascha dann wohl treffender wäre. Dieser Vorschlag ist mir jedoch noch nicht zu Ohren gekommen, dabei wäre das die offensichtlichste Antwort auf die oben gestellte Frage. Ich schließe daraus, dass es mit der Frage nach der „Attraktivität“ der Kirche etwas anderes auf sich haben muss. Die Kirche öffnete die Türen, die Menschen gingen hinaus und jetzt bekommen die deutschen Bischöfen es mit der Angst zu tun, weil sie ohne Kirchensteuer nicht leben können. Also muss die Kirche mal schnell „attraktiver“ gemacht werden und besonders für junge Leute, die zahlen nämlich noch länger. Das Ergebnis sind peinliche Anpassungen und Nachahmungen einer Jugendkultur und eines Zeitgeistes, der mit katholisch so viel zu tun hat wie Politik mit Bürgernähe. Ja, Jugendkultur kann katholisch sein und Politik bürgernah, de facto sind es beide nicht und nichts ist „unattraktiver“ als ein Mitläufer mit Papageienmaul, was dennoch Teilen der Kirche ein Ideal zu sein scheint. Die „christlichen Rockkonzerte“ können getrost den Freikirchlern überlassen werden. Wer seine religiösen Gefühle dort ausleben will, mag das tun. Für mich ist das ein schlechter Abklatsch eines Originals. Wenn ich ekstatische Gefühle erleben will, deren Beschaffenheit, also ob religiös oder sonst etwas, mir ganz gleich ist, schieße ich mich lieber auf einem nicht christlichen Technofestival tagelang in Höhen, die nüchtern schwer zu erreichen sind. Das erscheint mir doch origineller. Wer suchet, der findet und im besten Falle befindet sich alles an seinem Platz. Die scheinheilige „Attraktivität“ einer Kirche, die der „Postmoderne“ mit hängender Zunge hinterherläuft, hat keinen Platz in dieser Welt. Sie ist überflüssig. Während allgemein das sogenannte Jugendwort 2018 „Ehrenmann“ war, könnte es auf den Bund der Deutschen Katholischen Jungend (BDKJ) bezogen „peinlich“ sein. Wann schließt sich der BDKJ endlich mit den „Jungen Grünen“ zusammen? Gemeinsam könnten sie dann jung und grün hinter den Ohren sein.

Die wirkliche „Attraktivität“ der Kirche besteht, meinem Empfinden nach, in der bloßen Existenz dieser mit all ihren Boni, den Sakramenten. Und was die jungen Menschen angeht: Die Kirche soll froh sein, wenn überhaupt jemand zu ihr kommt und der kann eigentlich so alt und hässlich sein, wie er will. Vor Sodom und Gomorra sprach Gott über Gerechte und nicht über junge Menschen. Soll es doch Gott überlassen bleiben, welche Herzen er berührt. Die Aufgabe der Kirche ist keine Gewaltenteilung, keine Gleichstellungspolitik, keine Festivalkultur, keine Spendengala, sondern die Bewahrung der katholischen Tradition und Lehre durch die Zeiten hindurch und die Spendung der Sakramente. Und allein das macht die Kirche für mich als „jungen Menschen“ „attraktiv“.

Außenminister Steinmeier fährt zum Schnuppertag in einen Frankfurter Kindergarten. Löbliches Vorhaben. Soll er sich ruhig mal mit einer Schnittmenge von Normalbürgern unterhalten, Präsenz zeigen und sich sein Bild von der Stimmungslage und Erlebniswelt dieser Normalbürger machen. Es muss nicht jeder Annäherungsversuch der eingesessenen Obrigkeit an ihre Untertanen oder Gläubiger von vornherein verlacht oder abgesaut werden. Es bleibt dabei aber doch ein Restbestandteil an Witz. Er informiert sich über „Sicherheitslage, Kriminalität und Präventionsmaßnahmen im Rahmen von Zuwanderung“ und setzt sich dafür mit „geladenen Gästen“, „kritischen Bürgern“ an einen Tisch (FAZ). Das klingt wie ein Papstbesuch in Nordkorea. Steinmeier kommt mit Frau. Gut für ihn, das macht ihn höchstwahrscheinlich oder hoffentlich sympathischer und lässt ihn ganz natürlich wirken. Fast so wie ein „normaler Bürger“. Auch Steinmeier hat ein „normales Leben“, sogar mit Frau. Sicher ist Steinmeier ein einfühlsamer, verständnisvoller Beichtvater für die „kritischen Bürger“. Und sicher verlässt er sorgenschweren Herzens die Runde seiner Schäfchen. Was wird er den „kritischen Bürgern“ sagen? Wird er sie zur Reue ermahnen, sie lossprechen von ihrer Kritik? Er wird wahrscheinlich vor allem zuhören, zwar in Erklärungsnot kommen, aber dafür mal ein paar Stimmen des „Volkes“ oder der „Bevölkerung“ vernehmen. Er ist ja da, um sich ein Bild der Lage zu machen und das soll er in diesem begrenzten Rahmen auch ruhig tun. Sei ihm eine ehrliche Absicht und ein guter Wille gegönnt. Was aber noch daran lustig ist? Die Bundesregierung spricht über Zuwanderung und damit einhergehende Probleme so verkrampft wie manch christliche Kreise über Sex. Beides ist natürlich gut gemeint. Nach barockem Weltverständnis ist die Welt ein Theater. Der Blick in die Zeitungen bestätigt mir das täglich. Dazu ist es oft auch ein sehr belustigendes, gerade das der Politik. An heutigen Kostüm- und Bühnenbildkünsten gemessen, wäre die Welt dann eine kahle Bühne mit nackten Menschen. Hoffentlich lief es Steinmeier in Frankfurt nicht kalt den Rücken herunter.

Der Autor, 23, studiert Geschichte in Wien

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Peter Winnemöller
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