Junge Federn

Von Pascal Landahl
Pascal Landahl, freier Autor "Junge Federn"

„Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm“ (1 Kor 12, 27) schreibt Paulus in seinem Brief an die Korinther. Alle katholischen Gläubigen bilden das Volk Gottes und gehören zu Gott und zur Kirche. Dieser Gedanke mag bei oberflächlicher Betrachtung schnell zu einem fehlgeleiteten Gleichheitsgedanken hinleiten: Wir sind alles in allem gleich. Das stimmt so nicht. Wir sind alle gleich an Würde von Gott als sein Ebenbild geschaffen. Wir sind gleich in unserer Existenz. Zugleich sind wir aber in unserem Wesen, der Essenz, verschieden und haben auch ganz unterschiedliche Talente. Diese Talente sollen wir in die Kirche einbringen.

Umso unverständlicher ist die derzeitige Situation in Hamburg. Einige Experten entscheiden über Fragen, die eine Vielzahl von Menschen und die Kirche als Ganzes betreffen. Ein offener Dialog findet auch nach fast drei Monaten nicht statt.

Was ist passiert? Mitte Januar hat das Erzbistum verkündet, acht katholische Schulen in Hamburg zu schließen. Eigentlich wollte man mit den betroffenen Lehrern, Eltern, Schülern und Gemeinden reden. Aber leider – so das Erzbistum – war die Zeit so knapp, dass man entgegen aller Versprechungen mit niemandem reden konnte und so die Entscheidung allein treffen musste, so die Logik des Erzbistums.

Diese Argumentation ist theologisch sehr fragwürdig und kontraproduktiv. Zuerst einmal muss klar sein, dass es in Hamburg in keiner Weise um lehramtliche oder gar dogmatische Fragen geht. Es geht um primär wirtschaftliche, soziale und pastorale Fragen: Wie können wir katholische Schulen erhalten und somit den Glauben weitergeben und Benachteiligte fördern? Darüber muss man ins Gespräch kommen und den sensus fidei ergründen.

Oftmals haben die Gläubigen ein besseres Gespür für die Realität als unsere Hirten, denn sie haben verschiedenste Berufe, sind Familienmütter oder -väter und engagieren sich in den unterschiedlichsten Bereichen von Kirche und Gesellschaft. Die Kirche muss daher die „Zeichen der Zeit erkennen“ und Laien mehr Mitsprache- und auch Entscheidungsmöglichkeiten eröffnen. Die grundsätzliche Hierarchie der Kirche und auch die apostolische Sukzession der Hirten wird dadurch in keiner Weise gefährdet. Die Hirten nehmen ihre Leitungsfunktion weiter wahr, sollten sich aber nicht, wie derzeit oftmals der Fall, vornehmlich mit Klerikern umgeben, sondern mehr auf das ganze Volk Gottes hören.

Genau das ist zurzeit in Hamburg leider überhaupt nicht der Fall. Die Verantwortlichen unseres Erzbistums, vor allem der Erzbischof und der Generalvikar, selbstverständlich ausgebildete Theologen, haben die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit der Erstellung eines Gutachtens über die wirtschaftliche Situation des Bistums beauftragt. So weit, so gut. Problem dabei ist: Niemand außer den genannten Verantwortlichen kennt das Gutachten und Erzbischof und Generalvikar sind keine Experten in wirtschaftlichen Fragen, was sie ja auch gar nicht sein müssen, denn sie sind schließlich Theologen und Priester und sollen sich dementsprechend primär um Seelsorge kümmern.

Aber darin besteht ja gerade das Problem: Sie entscheiden über Sachverhalte, zu denen sie keine Kompetenz haben. Die Kirche hat allgemein ein gewaltiges Kompetenzproblem! Wir brauchen nicht nur Theologen, sondern Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen. Und diese müssen auch über zum Beispiel wirtschaftliche Fragen entscheiden. Unsere Aufgabe und Pflicht als Gläubige ist es nun, die Kirche durch und mit Christus zu reformieren. Hamburg ist ein gutes Beispiel für das Motto „Wehret den Anfängen!“. Bitten und hoffen wir auf den Beistand des Heiligen Geistes für die Erneuerung der Kirche!

Der Autor, 20, studiert Katholische Theologie

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