Jubiläum auf dem Zionsberg

Dormitio-Kirche in Jerusalem feiert 100-jähriges Bestehen

Jerusalem (DT/KNA) Auf dem Jerusalemer Zionsberg ist am Samstag das 100-jährige Weihe-Jubiläum der Dormitio-Kirche gefeiert worden. Dem Festgottesdienst stand der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Fouad Twal, vor – als Nachfolger des Patriarchen, der am 10. April 1910 Kirche und Krypta des Deutschen Vereins vom Heiligen Land geweiht hatte. Betreut wird das Heiligtum am Ort der „Entschlafung“ (lateinisch „dormitio“) Mariens von deutschen Benediktinern. Die markante Silhouette der Dormitio-Kirche sei Symbol für das christliche Bemühen um Verständigung und Versöhnung, sagte Twal in seiner Festpredigt. Im Geist des heiligen Benedikt Friedensstifter zu sein, sei bis heute Hauptaufgabe der Mönche in einem Land, in dem „die Friedenssehnsucht so groß ist, weil wir keinen Frieden haben“.

Zu den Ehrengästen bei der Feier gehörten Benediktiner-Abtprimas Notker Wolf, der päpstliche Delegat in Jerusalem, Erzbischof Antonio Franco, sowie Vertreter diverser Kirchen in der Stadt. Als Repräsentant der deutschen Regierung würdigte Botschafter Harald Kindermann die „gemeinsame Sprache des Glaubens“ von Juden, Christen und Muslimen in der Heiligen Stadt. Während im Nahen Osten politisch darum gerungen werde, „Sprachlosigkeit zu überwinden“, sei diese gemeinsame Sprache ein „kostbarer Schatz“.

Für Wilhelm II. war es eine Frage des religiösen Proporzes

Prinzessin Marie-Louise von Preußen vertrat bei den Jubiläums-Feiern die Familie von Kaiser Wilhelm II., der das Gelände der Abtei bei seinem Jerusalem-Besuch 1898 vom damaligen türkischen Sultan für die deutschen Katholiken erhalten hatte. Der Kaiser hatte zwei andere zentrale Grundstücke für die deutschen Protestanten erstanden und es aus Gründen des religiösen Proporzes für richtig erachtet, auch den Katholiken Deutschlands ein eigenes geistliches Zentrum in Jerusalem zu sichern. Die christliche Tradition des Ortes geht bis in das erste nachchristliche Jahrhundert zurück, als nach Ansicht vieler Wissenschaftler über dem Saal des Pfingst-Ereignisses eine judenchristliche Synagogen-Kirche gestanden haben könnte.

Von Kreuzfahrern aufgebaut, von Muslimen vernichtet

Im fünften Jahrhundert war der Zionsberg von einer großen byzantinischen Basilika überbaut, welche die Stätten des Gedenkens an das letzte Abendmahl Jesu, das Pfingst-Ereignis sowie der Entschlafung Mariens unter einem Kirchendach vereinte. Von den Persern zerstört, wurde die Basilika mit dem Namen„Heilige Maria vom Berg Zion“ im 12. Jahrhundert von den Kreuzfahrern wieder aufgebaut – jedoch schon bald darauf wieder durch die muslimischen Truppen vernichtet. Die letzten christlichen Eigentümer waren die Franziskaner, die 1551 von den Osmanen vertrieben wurden. Diese errichteten eine Moschee auf dem Gelände, wo sie das Grab Davids verehrten. Kaiser Wilhelm II. konnte nach diplomatischen Bemühungen das Grundstück neben der Moschee erwerben und überließ es gegen Erstattung der Kosten dem deutschen Heilig-Land-Verein.

In den folgenden Jahren entstanden nach Plänen des Kölner Diözesanbaumeisters Heinrich Renard ein Kirchen-Rundbau, ein freistehender Glockenturm sowie die Abtei Dormitio Beatae Mariae Virginis, in welche Benediktiner aus der Abtei Beuron einzogen. Schwere Krisen durchlebte die Gemeinschaft während der beiden Weltkriege, als alle Deutschen aus der Region verbannt wurden. Heute ist die Kirche ein beliebtes Pilgerziel. Deutsche Nachwuchs-Theologen können auf dem Gelände der Abtei ein theologisches Studienjahr absolvieren. Geplant ist der Bau eines Begegnungshauses für Friedensarbeit im Heiligen Land, das „Beit Benedikt“.

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