Jesus vermittelt uns das Licht, das die dunklen Wege erhellt

Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters beim Angelus am 28. Januar.
Pope Francis' general audience
Foto: Giorgio Onorati (ANSA) | Papst Franziskus.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!


Das Evangelium des heutigen Sonntags (vgl. Mk 1,21-28) ist Teil eines umfangreicheren Berichts, der als „der Tag in Kafarnaum“ bezeichnet wird. Im Mittelpunkt der heutigen Erzählung steht das Ereignis des Exorzismus, durch das Jesus als Prophet gezeigt wird, der in Worten und in Taten mächtig ist.

Er geht an einem Sabbat in die Synagoge und beginnt zu lehren; die Menschen sind über seine Worte erstaunt, weil es keine gewöhnlichen Worte sind, sie sind anders als das, was sie normalerweise zu hören bekommen. Denn die Schriftgelehrten lehren, ohne eine eigene Vollmacht zu haben. Und Jesus lehrt mit Vollmacht. Jesus lehrt wie jemand, der Vollmacht hat, und offenbart sich so als der Gesandte Gottes und nicht als ein einfacher Mensch, der seine Lehre nur auf die vorhergehenden Überlieferungen stützen kann. Jesus hat wahre Vollmacht. Seine Lehre ist neu, und im Evangelium heißt es, dass die Leute bemerkten: „Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet“ (V. 27).

Gleichzeitig erweist sich Jesus auch in seinen Werken als mächtig. In der Synagoge von Kafarnaum ist ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen ist, welcher sich dadurch offenbart, dass er schreit: „Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes“ (V. 24). Der Teufel sagt die Wahrheit: Jesus ist gekommen, um den Teufel ins Verderben zu stürzen, um den Dämon ins Verderben zu stürzen, um ihn zu besiegen. Dieser unreine Geist kennt die Macht Jesu und verkündigt auch seine Heiligkeit. Jesus herrscht ihn an und sagt: „Schweig und verlass ihn!“ (V. 25). Diese wenigen Worte Jesu reichen aus, um den Sieg über den Satan zu erwirken, der „den Mann hin und her zerrte und ihn mit lautem Geschrei verließ“, heißt es im Evangelium (vgl. V. 26).

Dieses Ereignis beeindruckt die Anwesenden ungemein; alle sind von Furcht erfasst und fragen sich: „Was hat das zu bedeuten? […] Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl“ (V. 27). Die Macht Jesu bekräftigt die Vollmacht seiner Lehre. Er verkündet nicht nur Worte, sondern er handelt. So offenbart er den Plan Gottes mit Worten und mit der Macht der Werke. Im Evangelium sehen wir, dass Jesus während seiner irdischen Mission die Liebe Gottes sowohl durch die Verkündigung als auch durch seine unzähligen Gesten der Fürsorge und der Hilfe für die Kranken, die Bedürftigen, die Kinder und die Sünder offenbart.
Jesus ist unser Lehrer, mächtig in Worten und in Werken. Jesus vermittelt uns das ganze Licht, das die manchmal dunklen Wege unseres Daseins erhellt; er vermittelt uns auch die notwendige Kraft, um Schwierigkeiten, Prüfungen und Versuchungen zu überwinden. Denken wir daran, wie groß die Gnade ist, dass wir diesen so mächtigen und so guten Gott kennengelernt haben! Ein Lehrer und ein Freund, der den Weg aufzeigt und sich um uns kümmert, vor allem, wenn wir in Not sind.

Die Jungfrau Maria, Frau des Hörens, helfe uns dabei, um uns und in uns Stille zu schaffen, um im Getöse der weltlichen Botschaften das Wort mit der größten Vollmacht zu hören, die es gibt: das Wort ihres Sohnes Jesus, der den Sinn unseres Daseins verkündet und uns von jeder Knechtschaft befreit, auch von der des Teufels.

Nach dem Gebet des Angelus und vor den Grüßen an verschiedene Gruppen auf dem Petersplatz sagte der Papst:

Liebe Brüder und Schwestern!

Gestern hat uns aus Afghanistan die schmerzliche Nachricht eines schrecklichen Terroranschlags in der Hauptstadt Kabul erreicht, der mehr als hundert Tote und zahlreiche Verletzte gefordert hat. Erst vor wenigen Tagen hat ein weiteres schweres Attentat in einem großen Hotel in Kabul Schrecken und Tod gesät. Wie lange wird die afghanische Bevölkerung diese unmenschliche Gewalt ertragen müssen? Beten wir im Stillen für alle Opfer und für ihre Familien; und beten wir für alle, die sich in jenem Land weiterhin darum bemühen, Frieden zu stiften.

Heute wird der Weltlepratag begangen. Diese Krankheit sucht leider immer noch vor allem die ärmsten und bedürftigsten Menschen heim. Diese Brüder und Schwestern versichern wir unserer Nähe und Solidarität; und beten wir auch für diejenigen, die ihnen beistehen und sich für ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft einsetzen.

Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller

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