Jahr des Geweihten Lebens

Foto: privat | Schwester M. Marina Dirks OP.
Foto: privat | Schwester M. Marina Dirks OP.

Schwester M. Marina Dirks OP (Foto: privat) ist kontemplative Dominikanerin im Kloster Heilig Kreuz, Regensburg. Die Diplom-Theologin und Diplom-Pädagogin hat in ihrer Ordensgemeinschaft die Aufgabe der Novizenmeisterin.

Ein Leben nach den evangelischen Räten steht für ...

entschiedene Christusnachfolge. Sie betrifft eigentlich alle Christen, und doch hat der Herr von Anfang an einige in seine besondere Nachfolge berufen. Wenn sich diese in einer echten personalen Beziehung gestaltet, bedeutet sie Erfüllung, Lebensqualität und innere Zufriedenheit. Denn, wer sich von Gott geliebt weiß, dessen Leben gelingt und wird auch für andere fruchtbar.

In der Heiligen Schrift finde ich ...

die Richtschnur für mein Leben. Dazu muss ich mich jedoch ganz auf das Wort Gottes einlassen. Wenn Herz und Verstand vom Wort Gottes angesprochen werden, können biblische Worte auf einmal ganz konkret werden, mein Leben inspirieren und zu neuem Tun anregen. Dann können jahrtausendealte Gebete zu meinen eigenen werden: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?“ (Ps 27, 1).

Am Ordensleben fasziniert mich ...

die primäre Ausrichtung auf Gott. Diese wird besonders im Lobpreis Gottes, vornehmlich in der gemeinsamen Feier der Liturgie, sichtbar. Unser Dominikanerinnenkloster besteht seit 1233 ununterbrochen. Noch immer erklingen hier dieselben Melodien wie vor Jahrhunderten. Die im Anschluss an die Komplet gesungenen Prozessionen zu Ehren der Muttergottes und des heiligen Dominikus bewegen mich jeden Abend immer wieder neu.

Unser Ordensstifter hat überzeugend vorgelebt, ...

dass Kontemplation und Verkündigung aufs Engste zusammengehören. Zentral war für ihn die Barmherzigkeit Gottes. Nur die im Gebet erkannte Wahrheit, und das hieß für den heiligen Dominikus immer auch dessen vernunftmäßige Durchdringung, konnte eine gute Basis für ein wirkungsvolles Predigtwerk sein. Seit seinem Bestehen sind deshalb nach wie vor Gebet und Studium die Eckpfeiler seines weltweiten Ordens, dessen 800-jähriges Jubiläum wir übrigens im kommenden Jahr feiern.

Der Kirche dienen ...

wir durch unser Lebenszeugnis. Wir predigen durch unser Dasein. Im stellvertretenden Gebet tragen wir die weltweiten Nöte und vielfältigen Anliegen von Kirche und Welt vor Gott. Wie es der heilige Johannes Paul II. einmal ausdrückte, sehen wir unsere Berufung als Nonnen darin, „im Herzen der Kirche betende Apostel seiner barmherzigen Liebe zu sein“.

Freiheit bedeutet in einer Gemeinschaft,...

nicht als Knechte unter dem Gesetz zu leben, sondern unter der Gnade als Freunde Gottes und in Freundschaft untereinander. Das ist möglich durch die Liebe, die durch den Heiligen Geist in unsere Herzen eingegossen wird. Sie kann sich im gemeinschaftlichen Miteinander entfalten, wenn wir aufrichtig und achtsam miteinander umgehen und die Freiheit des anderen respektieren. Dies kann auch zu einer echten Herausforderung werden.

Kleiner werdende Kommunitäten ...

können eine Chance sein. Entscheidend ist nicht die Größe einer Kommunität, sondern deren gemeinschaftlich gelebtes Zeugnis. Kleiner werdende Gemeinschaften können helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und immer neu zu fragen: Wie können wir unser Charisma noch besser leben? Wie sieht es mit unserer Christusbeziehung und Hingabebereitschaft aus? Dadurch kommt Dynamik in die Gemeinschaften.

Ein Vorurteil über Ordensleute, das abgebaut werden sollte, ...

betrifft das Verständnis von Autorität und Gehorsam. Oft wird Gehorsam mit Kontrolle und Unterwürfigkeit assoziiert. Eine Ordensgemeinschaft ist gewiss kein warmes behütetes Nest, in dem infantile Abhängigkeit herrscht; sollte es zumindest nicht sein. Zukunft lässt sich nur mit reifen Persönlichkeiten gestalten, die Selbstständigkeit erlangt haben und in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen. Deshalb braucht man keine Angst zu haben, den Intellekt und den persönlichen Schatz an Lebenserfahrungen an der Klosterpforte abgeben zu müssen.

Geistliche Berufungen haben Zukunft, ...

wenn die einzelnen Gemeinschaften sich ständig prüfen, ob sie noch eine authentisch gelebte Alternative zur gegenwärtigen modernen Gesellschaft sind, ob Christus wirklich die Mitte ihres Lebens ist, ob sie Christus wirklich leidenschaftlich suchen.

Das „Jahr des geweihten Lebens“ wird ein Segen, ...

wenn es zur Erneuerung des Ordenslebens beiträgt, so dass die Gemeinschaften wieder zu helleren Leuchttürmen in Kirche und Welt werden. Dann werden auch Berufungen nicht ausbleiben.

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