Investition in den Frieden

Der neue Statthalter des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem setzt auf bessere Bildung christlicher Kinder. Von Till Magnus Steiner
Michael Schnieders, Ritter vom heiligen Grab zu Jerusalem
Foto: OESSH | Michael Schnieders hat bei den Grabesrittern seine geistliche Heimat gefunden.

Wie wunderbar ist es, in einen Kirchenbau zu investieren, der auf absehbare Zeit großen Anklang findet“, resümiert Michael Schnieders mit die Fortschritte beim Kirchenbau im jordanischen Dorf Um Zweitineh. Es ist ein Projekt, das ihm besonders am Herzen liegt. Dort, in der Nähe von Amman, unterstützt die Deutsche Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem eine rasant wachsende katholische Gemeinde. „Zwischenzeitlich hatte sich herausgestellt, dass die Gemeinde stärker wächst als angenommen. Mithin ist ein größeres Gebäude notwendig, als zunächst anzunehmen war. Ostern 2020 soll das endgültig fertiggestellte Kirchengebäude geweiht werden“, fügt er im Gespräch mit der „Tagespost“ noch hinzu.

Seit dem 9. Februar ist Michael Schnieders für die kommenden vier Jahre Statthalter, der weltliche Leiter der Deutschen Statthalterei des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die am Samstag in Frankfurt neue Mitglieder aufnehmen. Der Kirchenneubau in Um Zweitineh steht für zwei Aspekte, die für ihn von zentraler Bedeutung sind, wenn er auf das Heilige Land blickt. Zum einem sei es ganz entscheidend, die Infrastruktur des christlichen Lebens zu stärken, zum Beispiel durch Bauten. „Zudem mindestens ebenso wichtig sind die Projekte, die den Christen im Heiligen Land ein würdiges Leben ermöglichen oder fördern. Das sind insbesondere solche, die ihnen Anreize bieten, in ihrer Heimat zu bleiben.“ Er bewundert die christlichen Familien, die trotz schwieriger Lebensumstände in ihrer Heimat bleiben und ihren Kindern insbesondere deshalb eine gute Schulbildung ermöglichen, damit sie sich gut gerüstet den Herausforderungen in den nicht-christlichen Gesellschaften stellen können. „Jeder diesbezügliche Einsatz ist zugleich Investition in eine Hoffnung in Richtung Frieden, zumindest in Richtung eines friedlicheren Zusammenlebens.“ Die grundlegend wichtige finanzielle und administrative Neustrukturierung des Lateinischen Patriarchats schreitet aus seiner Sicht gut voran. Aber diese Fortschritte stellen momentan nur einen „wesentlichen Zwischenstand“ dar. „Bei unserem letzten Besuch in Jerusalem hat uns der Apostolische Administrator, Erzbischof Pizzaballa, versichert, dass es auch aus seiner Sicht noch Manches zu tun gibt“, und er betont, dass diese Bestrebungen aus der Sicht des Ritterordens begrüßenswert sind. „Sie verhindern nicht zuletzt Willkür.“

Für Schnieders ist der Ritterorden seine religiöse Heimat, die sowohl im Alltag als auch im Pilgern ins Heilige Land und dem dortigen Engagement verwurzelt ist. Hier hat er für sich und seine Familie einen Glaubensort gefunden, der ihm Halt gibt und ihn mit anderen Augen den Alltag erleben lässt:„Als gläubiger katholischer Christ gehe ich mit Problemen im Berufsalltag anders um, als derjenige, der sich nicht erlöst weiß.“ 2008 wurde er in den Ritterorden aufgenommen, dem er nun ehrenamtlich als Statthalter neben seiner beruflichen Tätigkeit als Vorsitzender Richter am Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster dient. Gefragt welche Aufgaben ihm als Statthalter der Deutschen Statthalterei zukommen, antwortet er: „Die Aufgabe dieses, unseren päpstlichen Laienordens, besteht darin, die christliche Lebensführung seiner Mitglieder in Treue zum Papst zu fördern. Hinzu kommt, die Aktivitäten und Einrichtungen der katholischen Kirche im Heiligen Land – insbesondere des Lateinischen Patriarchats – zu unterstützten und zu fördern.“ Der 1967 geborene Oldenburger hat einen klaren und nüchternen Blick auf die Aufgaben des Ritterordens in der Gegenwart, der jedoch tief im Glauben verwurzelt ist. Seine Ausführungen zu den Herausforderungen, die mit seinem Amt als Statthalter verbunden sind, fasst er mit einem Auszug aus dem Ordensgebet zusammen: „Ermutige uns zu glaubwürdigem Zeugnis in Tat und Wahrheit; öffne unsere Augen, Ohren und Herzen für die Wunden und Nöte der Menschen unserer Tage, besonders der Christen im Heiligen Land.“

Das geistliche Profil der Deutschen Statthalterei will er in seinem Amt fortan noch stärker als „ein bewusstes Gegengewicht zur sich stetig säkularisierenden Welt des 21. Jahrhunderts“ schärfen. „Hierzu gehört für mich ein verstärktes Zugehen und Einbinden in der katholischen Kirche verankerter junger Familien ebenso wie eine Öffentlichkeitsarbeit, die unsere Ziele für einen breiten Empfängerkreis nachvollziehbar und unterstützenswert macht“, führt er gegenüber der „Tagespost“ als zwei Aspekte an, die ihm wichtig sind.

Die Zahl derjenigen, die zu Rittern oder Damen durch den Orden berufen werden, sind zwar steigend, aber der pessimistische Blick auf die Zahl der Gläubigen in den deutschen Bistümern gehört auch zu der Frage nach der Zukunft der Deutschen Statthalterei: „Als katholische Christen in Deutschland leben wir in einer Situation, in der wir unseren Glauben grundsätzlich ohne staatliche Einmischung – im Sinne von Einschränkung – leben dürfen. Allerdings machen katholisch getaufte Christen nach meiner Wahrnehmung hiervon nicht im Rahmen des Wünschenswerten und des Möglichen Gebrauch. Vor diesem Hintergrund ist es eine wachsende Herausforderung, auch in Zukunft Menschen zu finden, die sich für unsere Sache einsetzen möchten. Daraus ergibt sich für ihn jedoch keine Notwendigkeit, das bewährte Anforderungsprofil für neue Ritter und Damen zu senken. Er ist sich sicher, dass der Ritterorden nur eine überzeugende Gemeinschaft bleibt, „wenn wir den von der Satzung vorgesehenen und so zu handhabenden Ausleseprozess als einen solchen auch künftig verstehen und so handhaben“.

Sowohl für die Mitglieder der deutschen Statthalterei als auch für die Christen im Heiligen Land sei es grundlegend wichtig, dass sie Beistand erfahren, betont Schnieders: „Menschen, die sich getragen wissen – im Gebet ebenso wie durch finanzielles Opfer und im Besuch – leben zufriedener.“ Durch alle Altersstufen hindurch, sowohl im Ritterorden als auch im Engagement für die Christen im Heiligen Land, gilt für ihn: „Halten wir zusammen!“ Er ermutigt, sich nachhaltig dafür einzusetzen, „Christen auch in Zukunft es zu ermöglichen, würdig an dem Ort zu leben, wo unser Herr und Erlöser geboren worden ist, gelebt, gewirkt und gelitten hat, wo er gestorben und auferstanden ist – und so auch seine Wirkungs- und Gedenkstätten zu bewahren“.

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